Verkehrsbetriebliche Irrungen

24. November 2009, 19:14
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Da standen sie in ihren gelben Jankern und versperrten die Ausgänge

Dass mir die Helferlein der Wiener Verkehrsbetriebe, die ich allmorgendlich in der U-Bahn-Station per Lautsprecher angekündigt höre, bisher nur als in Razziaformation auftretende Fahrscheinkontrollore begegnet sind - und das gleich drei Mal hintereinander -, mag Pech sein. Da standen sie in ihren gelben Jankern und versperrten den Fahrgästen finsteren Blickes die Ausgänge: Dass sie verbal erklären, was sie von einem wollen, ist offenbar nicht vorgesehen. Meiner wirkte verstimmt, als ich nicht gleich ohne Aufforderung die Jahreskarte zog, wie es die anderen Untertanen und -taninnen eilfertig mit ihren Fahrscheinen taten.

Was meinen verkehrbetrieblichen Grant weiters befeuert, ist das Werbeplakat, das zwei ältere schachspielende Herren zeigt, von denen ich annehme, dass sie aus Wien sind: "Schau mal, da fährt diese neue Bim." Meine Dankbarkeit, dass sie nicht "Sieh mal" oder "Guck mal" sagen, ist enden wollend. "Schau" geht, aber "mal" geht nicht, auch wenn es sich um eine hyperurbanisierte Form von "amoi" handeln sollte. Dem nächsten Gelbjanker, der sich mir in den Weg stellt, sag ich, er soll mich außen vor anglahnt lassen. (guha, DER STANDARD - Printausgabe, 25. November 2009)

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