Vermeintlicher Koma-Patient gab Fernseh-Interview

24. November 2009, 18:55
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"Es war kein Koma, sondern ein Eingesperrtsein" - 23 Jahre lang war der heute 46-Jährige falsch behandelt worden

Brüssel - Ein zwei Jahrzehnte lang irrtümlich als Koma-Patient behandelter Belgier hat nach Bekanntwerden seiner Geschichte am Montag ein Fernsehinterview gegeben. Der querschnittsgelähmte Rom Houben, der sich über eine Bildtastatur an seinem Rollstuhl mit der Außenwelt verständigt, klagte vor laufenden Kameras über seine "totale Hilflosigkeit".

Bis die Fehldiagnose 2006 festgestellt wurde, war er 23 Jahre lang als Wachkoma-Patient behandelt worden und konnte sich nicht dagegen wehren. "Mein Geist funktionierte weiter. Es war kein Koma, sondern ein Eingesperrtsein", erklärte Houben nach Angaben des Fernsehsenders RTBF.  "Wir waren immer überzeugt, dass er uns versteht", so seine Mutter gegenüber der Nachrichtenagentur AP. "Wir suchten nur nach einem Weg, damit er es uns zeigen konnte. Houbens Fall wurde am Sonntag vom "Spiegel" öffentlich gemacht.

Neurologe deckte Fehldiagnose auf

Rom Houben hatte 23 Jahre lang keine Möglichkeit, sich zu äußern und verständlich zu machen. Erst ein Neurologe aus Lüttich befreite den Mann aus diesem schrecklichen Fehldiagnose-Zustand. "Ich habe geschrien, aber es war nichts zu hören", zitiert "Der Spiegel" den Mann, der sich heute mit Hilfe eines Computers mit Spezialtastatur mitteilen kann. In seiner rechten Hand ist noch etwas "Leben". Wie er den Horror überstand? "Ich habe mich weggeträumt", sagt Houben, der vor seinem Unfall im Jahr 1983 Ingenieur-Student und Kampfsportler war.

Ärzte hatten Houben im belgischen Zolder als hoffnungslosen Fall betrachtet. Sein Bewusstsein galt als erloschen. Machtlos erlebte Houben, wie Pfleger und Ärzte ihn ansprachen, bis sie alle Hoffnungen aufgaben. "Nie vergesse ich den Tag, an dem sie mich entdeckten, meine zweite Geburt", schreibt Houben.

Nur ein Zufall und erst eine neuerliche Untersuchung an der Universität von Lüttich brachten ans Licht, dass Houben all die Jahre "nur" gelähmt war. Aufnahmen eines Tomographen zeigten, dass sein Gehirn noch fast vollständig funktionierte. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Rom Houben kommuniziert über einen Touchscreen.

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