ÖBB-Postenvergabe kommt in die Gänge

24. November 2009, 18:00
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Bis zuletzt Streit um Personenverkehr-Finanzchef - Railjet-Kauf wieder verschoben

Wien - Am Mittwoch kommen die ÖBB-Postenbesetzungen in die Gänge. Der ÖBB-Personenverkehr-Aufsichtsrat muss ab neun Uhr die seit März überfällige Bestellung des Finanzchefs fixieren und damit die Doppelfunktion von Holding-Finanzchef Josef Halbmayr beenden.

Zur Wahl stehen: der (von Halbmayr im Auftrag der ÖVP) kurzfristig ins Spiel gebrachte Andreas Fuchs und ÖBB-Holding-Rechnungswesen-Chef Günter Hek. Ausgemacht war das bis Dienstagabend freilich keineswegs. Denn ohne die Stimmen der Betriebsräte ist der Aufstieg des 2007 vom ÖBB-Güterverkehr RCA in den Postbus-Chefsessel und von dort 2008 in die ÖBB-Holding gehievten Fuchs unsicher. Enthalten sich VP- und Betriebs-Räte ihrer Stimmen, könnte die SP-Fraktion unter Präsident Horst Pöchhacker Fuchs bestellen. Stimmen die Betriebsräte dagegen, steht die Mühle. Hek wird von der ÖVP kategorisch abgelehnt, obwohl er von Personalberater Egon Zehnder beste Zensuren bekam.

Gleich ohne Ausschreibung zum Vorstand der ÖBB-Postbus-AG küren will man Christian Eder, derzeit Geschäftsführer der Postbus-GmbH (und der ÖVP zurechenbar). Man hält das für rechtlich zulässig, weil Eder für die Doppelfunktion kein Extragehalt beziehe. So die ÖBB-Räte zustimmen, wird Eder mit dem AG-Vorstandsmandat das "Personalamt" für tausende Postbus-Beamten und bekommt Zugriff auf Postbus-Immobilien im Buchwert von rund 50 Millionen Euro. Die Funktion übte bisher Ex-ÖBB-Personalchef Franz Nigl aus.

Als fix gilt, dass RCA-Vorstandsdirektor Ferdinand Schmidt zusätzlich Geschäftsführer der neuen ÖBB-Produktion-GmbH wird. Dieser Zusatzvertrag wird in Konzernkreisen auch als Präjudiz für die Verlängerung von Schmidts 2010 endendem RCA-Vorstandsvertrag gewertet. RCA wird an der ÖBB-Produktion nicht 99 Prozent halten, sondern 51 oder 70.

Um mindestens ein halbes Jahr verschoben werden soll der Kauf der letzten 16 Railjets bei Siemens. Berater Roland Berger empfiehlt ein Storno der Tranche, die ÖBB will aber noch weiter nach Einsatzmöglichkeiten suchen. (ung, DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2009)

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