Hoffnung auf Nummer 542

24. November 2009, 16:53
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Vor einigen Wochen hat sich auf Senderplatz Nummer 542 ein Hoffnungsträger eingenistet

Grundsätzlich gilt an der völlig bescheuert konstruierten Fernbedienung von UPC-Digital dieses Gesetz: Je höher die Nummer des ausstrahlenden Senders, desto größer die Verzweiflung des Zappers. Ab der 200er-Marke werden dann auch hauptsächlich Horoskope erstellt, es wird telegeshoppt oder es gackern blonde Hühner aus Rai Uno. Fernsehen zum Wegschauen.

Doch vor einigen Wochen hat sich auf Senderplatz Nummer 542, auf den man in todesverachtender Verzweiflung hochgezappt hat, ein Hoffnungsträger eingenistet: ZDFneo. Vielfältig, lebensnah, anspruchsvoll. So lautet die Eigendefinition und die selbstgestellte Vorgabe des ZDF-Sprosses, der mit Serien wie "30 Rock", TV-Mehrteilern wie "Dresden" oder "Die Deutschen" - ein Jahrtausend deutsche Geschichte zuletzt bereits einige Fernsehabende gerettet hat.

Während alle anderen Sender einen glatt ein Buch in die Hände getrieben hätten, gelang es ZDFneo, einen vor der Mattscheibe zu halten. Zwar befinden sich im Programm des Senders nicht wenige Wiederholungen, doch wird hier erstens eher Qualität als Schmafu wiederholt und zweitens, etwa im Fall des angesprochenen Dresden, beide Teile an einem Abend hintereinander gezeigt. Und das ist wichtig, weil man in Zeiten von gesamtheitlich angeschafften TV-Serien, die man sich dann natürlich auch en bloc genehmigt, nicht mehr den Nerv besitzt, sich mehrteilige Filme an vier verschiedenen Abenden anzusehen. Dazu hat man zu viele Flöhe in der Hose.

Nun ist ZDFneo natürlich auch kein Glücksbringer - es ist ja nur Fernsehen! Aber lieber einen deutschen Krimi in Wiederholung als Rosamunde Pilcher zur Primetime im ORF - auch so ein Gesetz. (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 25.11.2009)

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    foto: zdf
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