Nicht bringen's

    24. November 2009, 14:47
    30 Postings

    Eine bedrohliche Inversion

    Vor zwei Wochen hat Herr oder Frau "far out" den Satz "Nicht bringen's die schottermitzi auf ideen" unter eine meiner Kolumnen gepostet. Dieser Befehl rumort mir seither untergründig im Kopf umher, aber nicht deshalb, weil ich, Gott bewahre, je vorgehabt hätte, die Schottermitzi auf Ideen zu bringen, sondern der Art und Weise wegen, wie er formuliert ist. Grammatikalisch korrekt wäre natürlich die Formulierung "Bringen Sie die Schottermitzi nicht auf Ideen". Aber auch in der verkehrten Wortstellung, die der Poster oder die Posterin verwendet hat, wird der Satz in Wien (und ich nehme an: auch über die Wiener Grenzen hinaus) verstanden: Nämlich als eine dialektal intensivierte Befehlsform von höherem Bedrohlichkeitsgrad als das bloße "Tun Sie das nicht". Anderes Beispiel: "Ned sei deppert" klingt, wenigstens in meinen Ohren, tendenziell um einiges alarmierender als "Sei ned deppert".

    Was am Posting von "far out" ein wenig irritiert ist der Umstand, dass die dem Dialekt entstammende Wortstellung "Nicht bringen's...." verwendet wird, aber in Kombination mit der Verwendung des schriftdeutschen "Nicht" anstelle des dialektalen "Ned". Wurde dies einfach so dahin geschrieben? Oder ein bewusster Verfremdungseffekt angestrebt? Ich bin jedenfalls gespannt, ob die p.t. Leser meine Ned-Sensibilitäten nachempfinden können und bitte um zweckdienliche Zuschriften. Aber Vorsicht: Nicht posten's einen Schmarren.

    Von Christoph Winder

    Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
    Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

    Share if you care.