KZ-Überlebender erhielt Ehrendoktorat der Linzer Uni

24. November 2009, 14:32
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Hans Maršálek für Verdienste um Aufbau der Gedenkstätte Mauthausen und wissenschaftliche Aufarbeitung gewürdigt

Linz - Der Widerstandskämpfer und Überlebende des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Mauthausen Hans Maršálek hat am Dienstag in einem Festakt mit Vizerektor Herbert Kalb, dem Senatsvorsitzenden Hans Irschik und Roman Sandgruber als Laudator sowie Altrektor Rudolf Ardelt als Promotor das Ehrendoktorat der Linzer Johannes Kepler Universität verliehen bekommen. Die Universität würdigte damit seine Verdienste um den Aufbau der KZ-Gedenkstätte Mauthausen und die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der KZ Mauthausen und Gusen.

Maršálek, am 19. Juli 1914 in Wien als Kind eines aus dem Böhmerwald zugezogenen Ehepaares geboren, erlernte den Beruf des Schriftsetzers. Er betätigte sich früh politisch zunächst bei der Sozialistischen Arbeiterjugend, später wandte er sich den Kommunisten zu. Nach dem "Anschluss" Österreichs entzog er sich der Einberufung zur Deutschen Wehrmacht durch die Flucht in die Tschechoslowakei. Er tauchte in Prag unter, wenige Wochen später marschierten die deutschen Truppen aber auch in dort ein. Er begann den Widerstand gegen die Besatzer zu organisieren. Seine Gruppe wurde durch einen Polizeispitzel verraten. Er wurde am 28. Oktober 1941 in Prag verhaftet. Die Gestapo brachte ihn nach Wien. Am 28. September 1942 transportierten ihn die Nazis in das Konzentrationslager Mauthausen.

Als die SS nach Häftlingen für die Schreibstube suchte, wurde er wegen seines Berufes als Schriftsetzer ausgewählt. Die Tätigkeit bot ihm die Möglichkeit, Mithäftlingen zu helfen und sogar vor dem Tod zu bewahren. Außerdem konnte er in einer kleinen Widerstandsorganisation im Lager mitarbeiten.

Mitwirkung bei Ermittlungen

Nach der Befreiung des Lagers konnte Maršálek, weil er als Häftlingsschreiber über viele Vorgänge im Lager Bescheid gewusst hat, bei den ersten Ermittlungsverfahren gegen Kriegsverbrechern mitwirken. Er trat in den Polizeidienst ein und bekam den Auftrag des Innenministers, für die seit 1947 bestehende KZ-Gedenkstätte ein Museum einzurichten. Damit begann auch seine wissenschaftliche Arbeit: Er legte als Grundlage für das Museum ein umfangreiches Archiv an und arbeitete an Publikationen. 1974 wurde seine wichtigste veröffentlicht: "Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen", sie ist 2006 in ihrer vierten überarbeiteten Auflage erschienen. Es ist nach wie vor das Standardwerk zu diesem Thema.

Die Verleihung des Ehrendoktorates an Maršálek ist eine besonders ungewöhnliches Ereignis. Denn einerseits nimmt die Linzer Universität derartige Ehrungen sehr restriktiv vor, andererseits hat Maršálek bisher Ehrungen durch die politischen Öffentlichkeit konsequent ausgeschlagen. Bei seinem Festvortrag machte der Zeitzeuge darauf aufmerksam, dass über den Widerstand der österreichischen Gruppe im KZ Mauthausen noch zu wenig wissenschaftlich erfasst, geforscht und geschrieben worden sei. (red/APA)

  • Hans Maršálek und Promotor Rudolf Ardelt (links) beim Promotionsakt.
    foto: johannes kepler universität

    Hans Maršálek und Promotor Rudolf Ardelt (links) beim Promotionsakt.

  • Hans Maršálek bei seiner Ansprache.
    foto: johannes kepler universität

    Hans Maršálek bei seiner Ansprache.

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