"Wiener Zeitung" streicht zwei Gastkommentatoren

24. November 2009, 13:37
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Kaspar und Freihofner schreiben nicht mehr für "Wiener Zeitung" - ÖVP-Wien kritisiert Abbau unabhängiger Journalisten

Wien - Umstrukturierungen in der "Wiener Zeitung" unter dem neuen Chefredakteur Reinhard Göweil sorgen für Nervosität bei der Wiener ÖVP. Wie Göweil bestätigte, will er künftig verstärkt "das nicht unbeträchtliche Honorarbudget", das bisher für Gastkommentatoren ausgegeben wurde, in die eigene Redaktion investieren und gezielt Nachwuchspflege betreiben. Opfer dieser Maßnahme sind die Publizisten Herbert Kaspar und Gerald Freihofner, die in der Vergangenheit regelmäßig für die "Wiener Zeitung" geschrieben haben und künftig nicht mehr für das Blatt tätig sein werden.

Chance für junge Kollegen

Göweil lässt stattdessen zwei Kollegen aus dem eigenen Haus Kolumnen verfassen. "Unser Zeitungsplatz ist ja nicht beliebig erweiterbar, daher habe ich mich entschlossen, den jungen Kollegen eine Chance zu geben". Matthias Tschirf, Klubobmann der ÖVP Wien, wittert hinter dieser Strukturmaßnahme allerdings die Absicht von Bundeskanzler Werner Faymann, nach dem vorzeitig abgelösten "WZ"-Chefredakteur Andreas Unterberger weitere unabhängige Journalisten aus der republikseigenen Zeitung entfernen zu wollen.

ÖVP wittert Propagandakurs

In einer Aussendung wetterte Tschirf am Dienstag: "Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier in einem Medium eine Einheitsmeinung angestrebt wird und es quasi auf Propagandakurs gebracht werden sollen." Der Wiener VP-Politiker vermutet dahinter Wahlkampfhilfe für den Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S). Das weist Göweil freilich zurück: "Es geht darum, die 'Wiener Zeitung' neu aufzustellen und im Markt neu zu positionieren und nicht um irgendeine Wahlkampfhilfe." (APA)

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