Drei Kandidaten, zwei Favoriten

24. November 2009, 17:07
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Duell um Liga-Chef läuft auf Rennen zwischen Hoscher und Rinner hinaus - Schalle Außenseiter

Wien - Nach dem am Montag angekündigten Rückzug von Martin Pucher als Präsident der österreichischen Fußball-Bundesliga scheint das Rennen um die Nachfolge des Burgenländers noch offen. Vor der wohl vorentscheidenden Präsidentenkonferenz am Freitag in Vösendorf, wo die drei verbliebenen Kandidaten Dietmar Hoscher, Hans Rinner und Veit Schalle ihre Konzepte präsentieren sollen, gilt zwar tipp3-Vorstand Hoscher dank der Unterstützung unter anderem von Salzburg, Rapid und Austria als aussichtsreichster Anwärter, der Wiener muss sich allerdings auf eine harte Konkurrenz durch Rinner gefasst machen.

Der Präsident von Sturm Graz gilt als Vertrauter von Pucher und darf nicht nur auf das Votum seines Klubs, sondern auch auf Unterstützung von Mattersburg, Wiener Neustadt oder Kapfenberg hoffen. Zünglein an der Waage könnten die Erstligisten sein, die zuletzt im vergangenen Juni gegen den Willen der Wiener und Salzburger die Aufstockung der Ersten Liga zu Fall brachten. Jeder Verein der zweithöchsten Spielklasse verfügt bei der Hauptversammlung am 7. Dezember über drei Stimmen, die Bundesligisten über je fünf.

Der aktuelle Bundesliga-Vize Rinner warnte die "Kleinen" bereits, dass ihre Wünsche im Falle einer Bestellung von Hoscher, der bisher zu diesem Thema keine öffentliche Stellungnahme abgab, nicht ausreichend genug berücksichtigt werden könnten. "Die Aufgabe der Liga ist, Rahmenbedingungen zu schaffen, die für alle fair sind. Bei Hoscher würde sicher die Gefahr bestehen, dass die Interessen der Spitzenklubs zu sehr in den Vordergrund rücken", erklärte der Steirer.

Von Hoschers Plänen (Aufwertung des Vorstandes, Aufteilung in Sport- und Wirtschafts-Vorstand, Aufstockung des Aufsichtsrates, Abschaffung der Präsidentenkonferenz) hält Rinner relativ wenig. "Den Verzicht auf die Präsidentenkonferenz halte ich für absolut falsch. Fast alle Vereine werden von Präsidenten geführt, die dafür haften. Ich zum Beispiel hafte bei Sturm mit Haut und Haaren, und dann soll ich nicht mitentscheiden dürfen?"

Mit tiefgreifenden Reformen kann Rinner nichts anfangen. "Man wird keinen finden, der ein Wunderwuzzi ist und von heute auf morgen alles verändert. Es gibt im österreichischen Fußball Grenzen, nur innerhalb derer kann man sich bewegen." Außerdem sei eine interne Lösung die bessere Variante, betonte der Sturm-Boss. "Wenn man nicht aus dem Tagesgeschäft kommt, ist man auf Zurufe diverser Leute angewiesen, und das halte ich nicht für gut."

Auch Hoscher Doppelfunktion als Liga-Präsident und Chef des Liga-Sponsors würde Rinner stören. "Ich sehe da schon Konflikte, mehr, als so mancher glaubt. Sollte zum Beispiel ein anderer Wettanbieter einsteigen wollen, wäre das schwierig. Wenn bei Sturm Graz Puntigamer den Präsidenten stellt, wäre wahrscheinlich auch kein anderer Getränkehersteller mehr an einem Einstieg interessiert."

Austrias Wirtschafts-Vorstand Markus Kraetschmer, Vorsitzender des Wahlausschusses und Unterstützer von Hoscher, kann diese Argumentation von Rinner nur schwer nachvollziehen. "Hoscher hat gesagt, wenn es um den Liga-Sponsor geht und sein Unternehmen involviert ist, wird er bei den Verhandlungen gar nicht anwesend sein."

Der Wiener hat sich zum Ziel gesetzt, bis zur Hauptversammlung am 7. Dezember einen Wahlvorschlag zu präsentieren, der eine breite Mehrheit findet - eine Kampfabstimmung soll auf jeden Fall vermieden werden, in diesem Punkt ist Kraetschmer einer Meinung mit Rinner. "Aber in der jetzigen Konstellation ist es sicher noch ein harter Weg zu einem breiten Konsens", gab der Austria-Manager zu. (APA)

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