Menschliches Computer-Gehirn im nächsten Jahrzehnt

24. November 2009, 12:53
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US-Wissenschafter simulierten mit Supercomputer das Gehirn einer Katze - Forscher glauben an rasche Fortschritte, andere sprechen von Irreführung

San Francisco - Noch ist es nicht soweit, aber der Weg zur Simulation eines menschlichen Gehirnes ist nach der Meinung einiger Wissenschaftern nicht mehr allzu weit. Wenn die Entwicklung der IT-Technik in diesem Tempo voranschreite, sei dies schon im nächsten Jahrzehnt denkbar, meint etwa der IBM-Experte für kognitive Computerwissenschaft, Dharmendra Modha.

Wissenschaftern von IBM ist es nach eigenen Angaben vor kurzem bereits gelungen, mit einem Computer das Gehirn einer Katze zu simulieren. Zur Nachbildung der rund eine Milliarde Nervenzellen und 10 Billionen Synapsen in der Großhirnrinde der Katze wurde ein Supercomputer mit 147.456 Prozessoren und einem Hauptspeicher von 144 Terabyte eingerichtet.

Der Neurowissenschafter Henry Markram widerspricht allerdings den Angaben von IBM und glaubt an eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit. Markham, der selbst an einem ähnlichen Projekt namens "Blue Brain" arbeitet, meint, die behaupteten Erfolge seien noch Lichtjahre davon entfernt die Komplexität eines Katzengehirns zu erreichen. Vor drei Jahren haben Forscher, unter ihnen auch Markram, 40 Prozent eines Mäusehirns simuliert, 2007 das Gehirn einer Ratte und in diesem Jahr ein Prozent der menschlichen Großhirnrinde.

100 Mal langsamer

Für den Supercomputer im Lawrence Livermore National Laboratory entwickelten die Forscher eine Simulation der neuronalen Vorgänge. So wurden dem Computer Firmenlogos wie das von IBM gezeigt. Die Wissenschafter beobachteten, wie die verschiedenen Teile des simulierten Hirns zusammenwirken, um das Bild zu erkennen. Dabei ging es um die Erkenntnis der grundlegenden Abläufe. Denn trotz aller Technik arbeitet die Simulation auf dem Supercomputer rund 100 Mal langsamer als das Katzenhirn.

Der Neurowissenschafter Jim Olds vom Krasnow Institute for Advanced Study an der George Mason University sprach von einem "riesigen Schritt". Bisher seien Daten über die Arbeitsweise des Gehirns "wie Briefmarken gesammelt" worden, ohne dass die Zusammenhänge klar geworden seien. "Wir haben gewaltige Fortschritte gemacht bei der Erhebung von Daten. Aber wir haben noch keine gemeinsame Theorie, wie dieses komplexe Organ namens Gehirn Dinge produziert wie Shakespeares Sonette und Mozarts Sinfonien. Der Heilige Gral der Neurowissenschafter besteht darin, die Aktivität einzelner Nervenzellen so abzubilden, dass klar wird, wie Milliarden von Nervenzellen im Zusammenwirken agieren."

Über die weiteren Fortschritte ist Olds allerdings skeptischer als viele seiner Kollegen. Die Simulation des menschlichen Gehirns sei ein derart aufwendiges Unterfangen, dass dafür selbst die Möglichkeiten der Supercomputer nicht ausreichen könnten: "Es gibt keine Garantien in diesem Spiel, weil die schiere Komplexität des Problems alles in den Schatten stellt, was wir zu tun versuchen."(red/APA/AP)

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