Neuer HIV-Schnelltest zur Früherkennung

24. November 2009, 12:10
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Viele Infektionen in Österreich spät diagnostiziert - Einfacher Schnelltest weist Virus nach maximal 30 Minuten nach

Peking - In den vergangenen acht Jahren ist die Zahl der neuen HIV-Infektionen um 17 Prozent zurückgegangen. Das geht aus dem neuen Weltaidsbericht der Vereinten Nationen hervor. Auch sterben weniger Menschen an der Immunschwäche-Krankheit: Die Zahl der Aids-Todesfälle sei in den vergangenen fünf Jahren um mehr als zehn Prozent zurückgegangen, während immer mehr Menschen Aids-Medikamente bekommen hätten.

Weltweit lebten heute 33,4 Millionen Menschen mit Aids - mehr als je zuvor, unterstreicht der Bericht. Im vergangenen Jahr hätten sich 2,7 Millionen neu infiziert. Zwei Millionen Menschen seien 2008 an der Krankheit gestorben. Der Rückgang der neuen Infektionen zeige, dass Programme zur Verhinderung von HIV-Infektionen Erfolg hätten.

Neuer Schnelltest

Pro Jahr wird in Österreich bei rund 500 Personen eine HIV-Infektion neu erkannt. Doch bei einem Drittel der Betroffenen wird die Infektion sehr spät, bei rund der Hälfte spät diagnostiziert. Jahrelange Infektiosität vorher und ein schwer geschädigtes Immunsystem sind die Folge.Seit rund einem Jahr darf in Österreich ein HIV-Schnelltest im medizinischen Setting verwendet werden.  Christian Zagler, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Aids-Gesellschaft: „Ein Testergebnis liegt nach maximal 30 Minuten vor. Es handelt sich dabei um einen HIV-Test der vierten Generation, der nach dem HI Virus und den HIV Antikörpern sucht. Neu ist, dass dieser Test nicht in einem Labor durchgeführt werden muss, sondern in der Arztpraxis angewandt werden kann."

Nach dem Eintreten des Virus in den Körper bilden sich als Reaktion auf das körperfremde Virus Antikörper. Während man bei HIV-Tests älterer Generationen bis zu zwölf Wochen warten musste, bis das Immunsystem ausreichend Antikörper gebildet hatte, um einen HIV-Infektionsnachweis zu erbringen, ist das bei HIV-Tests der neuen Generation nicht mehr nötig. Zagler: „Die 4. Testgeneration reagiert nicht nur auf die Antikörper, sondern auch auf das Virus. Das verkürzt für Patienten die Wartezeit. Es kann schnell Entwarnung gegeben werden, wenn das Testergebnis negativ ist, und es können rasch Maßnahmen gesetzt werden, wenn der HIV Test positiv ausfällt. Das schützt sowohl die Betroffenen wie auch deren Partner. Einer der vielen Vorteile des neuen Tests ist, dass man innerhalb von kurzer Zeit zu zuverlässigen Ergebnissen kommt." Der Schnelltest hat dieselbe Aussagekraft wie der HIV ELISA Test (Enzyme Linked Immuno Sorbent Assay).

Ist das Testergebnis positiv, muss in jedem Fall eine zweite Untersuchung in einem Labor durchgeführt werden, um das Ergebnis zu bestätigen.

Nach 15 bis 30 Minuten liegt Test-Ergebnis vor

Der Test selbst ist einfach anzuwenden: Der Arzt entnimmt Patienten Blut von der Fingerkuppe - auch Blut aus der Vene oder Serum können verwendet werden - und bringt es auf den Teststreifen auf. Danach wartet man eine Minute und bringt einen Tropfen einer Puffersubstanz auf den Teststreifen auf. Nach 15 bis 30 Minuten zeigt der Test das Ergebnis an.

Auch für Ärzte bringt der Test Vorteile. Er ist einfach anzuwenden, klein und leicht zu entsorgen - ein Streifen ist 5 Zentimeter lang und 1 Zentimeter breit. Der Test muss nicht speziell gelagert werden, es muss kein Blut aus der Vene abgenommen und in ein Labor geschickt werden.

Zagler: „Wir haben im Rahmen von Fortbildungen mehr als 100 niedergelassene Ärzte und Ärztinnen im richtigen Umgang mit dem HIV-Schnelltest geschult. Zusätzlich wurde ein Pilotprojekt in einem Ambulatorium in Wien durchgeführt. 384 Patientinnen und Patienten wurde der HIV Test kostenlos angeboten. 53 Prozent haben dieses Angebot angenommen, die Akzeptanz war sehr gut."

Der richtige Umgang mit den neuen HIV-Schnelltests

„Der neue HIV-Schnelltest verfügt über eine Reihe von Vorteilen", fasst Thomas Szekeres (Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik, Medizinische Universität/AKH Wien, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer), zusammen. „Er bietet einen niedrigschwelligen Zugang in der Praxis niedergelassener Ärzte, die Ergebnisse sind rasch verfügbar und die Anonymität bleibt gewahrt."

Das Risiko falsch-negativer Test-Ergebnisse

Wird unmittelbar nach einer erfolgten HIV Infektion ein HIV-Test durchgeführt, wird dieser höchstwahrscheinlich negativ sein, weil das Virus noch keine Zeit hatte sich im Körper zu vermehren. Die Anzahl der Viren und Antikörper reicht dann noch nicht aus, um eine Infektion nachweisen zu können. Der Zeitraum zwischen der Infektion und dem Nachweis von Viren und/oder Antikörpern wird als „Diagnostisches Fenster" bezeichnet. In dieser Zeit kann es zu falsch-negativen Test-Ergebnissen kommen. Das diagnostische Fenster des neuen Schnelltests liegt bei drei Wochen.

Szekeres: „Menschen, die vermuten vor kurzer Zeit ein Infektionsrisiko gehabt zu haben, sollten dennoch einen Arzt aufsuchen, um sich testen zu lassen. So kann der Status quo dokumentiert werden. Es wird festgehalten, wann der Betroffene zuletzt HIV negativ war. Der Test verkürzt durch Nachweis des Virus dieses diagnostische Fenster, ganz verhindern lässt sich aber eine Unsicherheit unmittelbar nach Infektion nicht. Im Zweifelsfall muss der Test nach einigen Wochen wiederholt werden."

Das Risiko falsch positiver Test-Ergebnisse

Zeigt der Test ein positives Ergebnis, gelingt also der Nachweis einer HIV-Infektion, so muss in jedem Fall eine weitere Testung in einem Labor durchgeführt werden, um das Ergebnis zu bestätigen: Dafür stehen der HIV ELISA Test und der Western-Blot Bestätigungstest zur Verfügung. Fallen beide positiv aus, handelt es sich um eine gesicherte HIV-Infektion. (APA/red)

 

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    Der Schnelltest ermöglicht auch die Anwendung vom niedergelassenen Arzt.

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