Viel Platz in der Wolke für kleine Unternehmen

24. November 2009, 11:02
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2010 soll das Jahr des Cloud-Computing in Unternehmen werden. Daten und Software sollen ihre Heimat nicht mehr in Firmencomputern, sondern in riesigen Serverfarmen haben

Mittels Mobiltelefons oder unterwegs am Laptop über Webzugang E-Mails lesen, E-Banking machen oder intelligente Stromzähler checken, die sich per Internet auslesen lassen. Was haben diese Anwendungen gemein? Sie alle lassen sich ins weite Feld des Cloud-Computing einreihen.

Keine wirklich große Neuerung

Die dahinterliegende Technologie ist keine wirklich große Neuerung. Die verbindenden Grundbausteine der aufgezählten Anwendungsbeispiele sind die zentralen Elemente um die es im Cloud-Computing geht: Die Programme liegen nicht auf den Servern im eigenen Unternehmen, sondern es wird auf sie über das Internet (gerne dargestellt als Wolke) zugegriffen. Es muss daher keine Software auf dem eigenen Rechner installiert werden. Um Cloud-Computing-Anwendungen nutzen zu können, bedarf es also nur einer guten Internetanbindung und eines Webbrowsers.

Flexibel und skalierbar

Der große Vorteil von Cloud-Applikationen liegt darin, dass Unternehmen flexibel und skalierbar Ressourcen nutzen können, die von Drittanbietern bereitgestellt werden. 2010 soll das Jahr des Cloud-Computing werden, prophezeit der US-Marktforscher Gartner. IT-Verantwortliche sollten dabei allerdings genau evaluieren, von welchem Cloud-Dienst ihr Unternehmen am meisten profitieren könne, welche Applikationen weiterhin selbst geschrieben oder wie eigene Clouds mit Webtechniken hinter den Firmen-Firewalls aufgebaut werden könnten.

Eine Vielzahl von Stolpersteinen

Laut einer Umfrage von IDC Deutschland werden Cloud-Services derzeit vor allem für Geschäftsanwendungen, Server (Rechnerkapazität), E-Mailing -und Office-Anwendungen sowie Speicherung eingesetzt. Das Auslagern und die Nutzung von Anwendungen über den Browser bietet eine Vielzahl von Stolpersteinen und Themen, auf die gerade kleine und mittlere Unternehmen besonders achten sollten. Cloud-Computing findet im Spannungsfeld absoluter Kontrolle - sowohl was Anwendungen als auch Daten betrifft - und uneingeschränkter Flexibilität statt. Auf der einen Seite stehen Unternehmen mit einer eigenen IT-Infrastruktur. Die Mitarbeiter arbeiten über das Firmennetzwerk. Die Kontrolle über Daten, Applikationen und technische Infrastruktur liegt im Unternehmen selbst. Voraussetzung: Eine eigene IT-Abteilung, die sehr genau planen muss, dass immer ausreichende Ressourcen - auch für Spitzenzeiten - vorhanden sind.

Datensicherheit

Auf der anderen Seite steht Cloud-Computing: Es braucht weder eine eigene IT-Infrastruktur noch sind Firmen von eigenen Kapazitäten abhängig. Zu Spitzenzeiten können schnell und flexibel mehr Ressourcen zugekauft und dann auch wieder abgegeben werden. Es müssen keine Anwendungen auf den Rechnern der Mitarbeiter installiert sein, und auch der Speicherplatz wird von den Cloud-Anbietern in deren Rechenzentren bereitgestellt. Doch diese Flexibilität wirft auch zentrale Fragen auf: Was passiert mit meinen Daten? Das Thema Datenschutz ist seit geraumer Zeit ein ständiger Begleiter, spricht man über Cloud-Computing. Und das ist gut so.

Arbeiten in der Wolke

Der Internetkonzern Google hat mit seinen Google Docs (Büro-Anwendungen), die über den Browser genutzt werden können, einen ersten Schritt in Richtung Arbeiten in der Wolke eingeläutet. Das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten, der Zugriff auf diese, egal wo man sich befindet, und ein schneller Datenaustausch zwischen Applikationen und Anwendern sind die großen Vorteile. Doch will ein Unternehmen seine Daten ungeschützt in der Wolke platziert wissen? Wo sind die vertraulichen Daten denn überhaupt? Microsoft glaubt, darauf eine Antwort gefunden zu haben: Das Cloud-Computing-Betriebssystem Azure, für das der Softwarekonzern vergangene Woche auf seiner Entwicklerkonferenz in Los Angeles den Startschuss gegeben hat, soll es Firmen ermöglichen, ihre Unternehmensapplikationen möglichst einfach und sicher mit der Wolke zu verbinden. Sensible Unternehmensdaten sollen dabei auch weiterhin in den Firmen bleiben beziehungsweise an Dritte - etwa Hostingdienste - ausgelagert werden. Es muss nur eine Schnittstelle in der Wolke geben, die auf diese Daten in irgendeiner Form Zugriff haben muss.

Welche Daten, wo speichern?

Es geht also nicht darum, seine sensibelsten Unternehmensdokumente in einer nicht greifbaren Wolke zu deponieren, sondern darum, sich genau zu überlegen, welche Daten man als Firma wo speichern will. Die österreichische Rechtslage - bestimmte Daten dürfen nicht einmal Bundesländergrenzen überschreiten - ist für viele Experten ein Hemmschuh für Cloud-Computing. Doch dies muss nicht sein. Unternehmen müssen eine Strategie überlegen, die im Spannungsfeld zwischen Flexibilität und Kontrolle einen sicheren Platz für die Daten findet. Es müssen also keine sensiblen Informationen in die Wolke wandern.(Gregor Kucera aus Los Angeles/DER STANDARD, Printausgabe vom 24.11.2009)

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