Mit Air baut Adobe eine Alternative zum herkömmlichen Browser wie Firefox

24. November 2009, 10:12
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Handys und ihre Apps gewöhnen uns an eine neue Form der Onlinenutzung - Adobe Air bringt dieses Konzept auf alle Arten von Geräte

Die Art, wie wir Internet benutzen, ist in einer rasanten Änderung begriffen: Web 2.0 hat aus meist statischen Webseiten interaktive Seiten gemacht, in denen wir wie bei Facebook den Inhalt zum Teil selbst produzieren; Google Docs oder Acrobat.com sind Programme, die online statt auf unserem Rechner ablaufen. Viele Inhalte wie die tägliche Zeitung oder Videoclips werden inzwischen auf Smartphones mithilfe von Apps (Applikationen) statt dem traditionellen Browser konsumiert.

ORF-TVthek

Der Softwarehersteller Adobe ist dabei mit Acrobat (zur originalgetreuen Darstellung von Dokumenten, die auch interaktive Formulare sein können) und Flash (für multimediale Inhalte) ein Schlüsselanbieter. Mit seiner Plattform Air baut er seit einiger Zeit an einer Alternative zum herkömmlichen Browser wie dem Explorer oder Firefox: Statt eine Zeitung an ihrer Adresse online zu lesen oder die Sendungen eines TV-Anbieters im Browser anzuschauen (wie bei der jüngst eröffneten ORF-TVthek), kann diese als kleines Programm, als App, am Schreibtisch des PCs oder Mac liegen.

Nutzerin und Nutzer solcher Programme bekommen dadurch die Möglichkeit, manche Dinge auch offline zu machen, wenn es gerade keine Datenverbindung gibt. So kann man beispielsweise mit der Air-Software von Ebay seine Angebote auch dann pflegen, wenn der Computer offline ist; bei der nächsten Verbindung werden Inhalte synchronisiert. Apps reagieren schneller als Webseiten, sie fühlen sich mehr an wie ein Programm als wie Webseiten.

Sie schreiben eine App für viele Verwendungen

Den Anbietern bringt dies eine Reihe neuer Möglichkeiten: Inhalte können besser gestaltet werden, Zeitungen und Zeitschriften können ihre grafische Identität leichter von Print zu Online transformieren. Vor allem aber: Sie schreiben eine App für viele Verwendungen, vom PC oder Mac bis zum Handy und Widgets für TV-Geräte. Der wahrscheinlich größte Nutzen von allen: Es wird leichter, bezahlte Abonnements einzuführen oder über den Verkaufspreis des App ihre Inhalte zu monetarisieren.

Der Browser löst sich mit Air buchstäblich in Luft auf: Unser Online-Zugang erfolgt über kleine Apps - obwohl Adobe eine lange Phase der Koexistenz sieht. Dieser Tage veröffentlichte Adobe ein Beta seiner zweiten Version von Air, das neue Tricks kann: Multitouch-Steuerung wie am iPhone, das inzwischen von Windows 7 und von Macs auch auf dem Trackpad verwendet werden kann, oder die schon erwähnte Möglichkeit, Zahlungen über eine App abwickeln zu können. Zwar können Anbieter ihre Apps auf ihren eigenen Webseiten anbieten. Aber Adobe will künftig auch einen Marktplatz für Apps einrichten, bei dem Entwickler ihre Software einstellen und verrechnen können, erklärte Adobe-Vizepräsident Kevin Lynch vor kurzem bei der Adobe-Max-Konferenz in Los Angeles.


Onlinedienste

Indes baut Adobe auch seine Online-Angebote in Konkurrenz zu Google und Microsoft kräftig aus. Dazu erhielt Acrobat.com eine Reihe neuer Features: Hier können registrierte Benutzer Dokumente in PDFs verwandeln, Online-Videokonferenzen abhalten und ihren Kontakten Dokumente zur Verfügung stellen, sowie mit Adobe Buzzword auch Online-Dokumente erstellen. Den Dienst gibt es in der Basisversion gratis, mit erweiterten Funktionen für 15 Dollar im Jahr. Demnächst soll der Dienst auch als App für Blackberry und iPhone zur Verfügung stehen. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 24. November 2009)

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