Die Inseln der Seychellen

24. November 2009, 09:08
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Von Kokosnüssen, Bussarden, Brotfrüchten, entspannten Touristen und erfüllten Träumen auf den Inseln der Seychellen - mit Ansichtssache

Das DHC-6 Twin Otter Propellerflugzeug der Air Seychellen zieht eine Schleife über eine kleine, von einem leuchtenden Korallenriff umrandete, Insel. Mit einem kräftigen Rütteln setzt die Maschine auf der schmalen Graslandebahn auf. Während der sofort einsetzenden Sturzbremsung nähert sich das Meer durch das Fenster des Piloten in rasantem Tempo. Dies ist der Anfang einer besonderen Reise zu fünf Inseln eines zauberhaften Archipels – den Seychellen.

foto: rené van bakel

Johnny´s Kokosnüsse
Bird Island ist eine alte Kokosnussplantage. Ein traumhaftes Paradies, wo Mensch und Tier in Frieden miteinander leben. Meeresschildkröten kommen zur Eiablage an Land, tausende von Geisterkrabben laufen während des Inselrundgangs völlig unbeeindruckt zwischen den Beinen der Besucher herum. "Es war aber nicht immer so friedlich hier" erzählt Jo Savy, die gemeinsam mit ihrem Mann kürzlich die Leitung der Insel von den Eltern übernommen hat. „Vor kurzem erst fanden wir das alte Tagebuch eines ehemaligen Plantage-Aufsehers. Darin sind schlimme Geschichten zu lesen. So wurde etwa ein Arbeiter für das Stehlen einer einzigen Kokosnuss ins Kittchen geworfen".

Das Gefängnis wurde längst entfernt – die Kokospalmen gibt es noch. Heutzutage kommt hier Johnny auf einem alten Traktor unter den Palmen heran gefahren. Er stoppt und wirft ein paar Kokosnüsse auf den Anhänger. "Die sind für´s Abendessen" ruft er, und fährt mit seiner Beute Richtung Küche. Dann ist da noch Esmeralda, die größte und mit 238 Jahren wahrscheinlich auch älteste lebende Schildkröte auf Erden. Trotz seines Alters, hat er immer noch Spaß mit seinen weiblichen Artgenossen. Wie der Schildkrötenmann zu seinem Frauennamen gekommen ist? Außer Esmeralda bevölkern Millionen von Vögeln die kleine Koralleninsel. Allein die Kolonie der Rußseeschwalben besteht aus unglaublichen 700.000 Paaren! Nicht umsonst nennt man die Insel Bird Island. Die Lodge und die Bungalows für die Gäste sind einfach gehalten. Der Einklang mit der Natur steht im Mittelpunkt.

La Buze
Hunderte von Kokosnüssen liegen auf einem Haufen. In der Mitte steht ein Mann. Geschickt angelt er mit einer Machete nach einer Nuss, packt zu und schüttelt kräftig daran. Mit einem Stoß bringt er die Schale an einem angespitzten Pfahl zum Bersten. Der Mann heißt Joseph und macht das schon seit über 15 Jahren. "Wenn es gluckst ist es eine Gute – mit viel Kokoswasser drinnen!" verrät er.

foto: rené van bakel

Joseph steht auf dem Gelände der Farm L´Union Estate, die den Touristen auf der Insel La Digue die wirtschaftliche Nutzung der Kokosnuss näher bringt. Ein Stück weiter liegt, halb verborgen zwischen Palmenbäumen, ein Piratenschiff in einer alten Schiffsbauwerft. Am Rumpf thront ein Totenkopf. "Das ist aber kein Original!" erklärt die immer fröhliche Maria, die in der Strandbar Lanbousir einen Teller mit tropischen Früchten serviert. "Auch wenn hier früher tatsächlich viele Piraten an Land gekommen sind. Im 17. Jahrhundert soll der berüchtigte Olivier Le Vasseur alias "La Buze" (der Bussard) einen mächtigen Schatz vergraben haben" schmunzelt die fröhliche Dame. Von hier aus sieht man zwischen den Kokospalmen die spektakulären, vom Salzwasser geformten Felsformationen, für die La Digue so bekannt ist. Wie im Film! Buchstäblich, denn der Strandabschnitt „Pointe Source d´Argent" diente tatsächlich schon für zahlreiche Film- und Werbeproduktionen als Location.

Besondere Früchte
Man riecht die Feuchte, die so typisch ist für den Regenwald. Die Bäume im Nationalpark "Vallée-De-Mai" auf Praslin haben riesige Blätter. Berühmt ist die Coco-de-Mer, auch Seychellenpalme genannt, aber wegen ihrer Nüsse. Diese haben eine von den normalen Kokosnüssen abweichende Form und sind mit Abstand das gefragteste Souvenir der Seychellen. Sie sind aber nicht der einzige Grund, warum man auf Praslin kommen sollte. Gerade zurück vom frühmorgendlichen Fang befreien ein paar lokale Fischer am Strand ihre Beute aus dem Netz. Die Sonne geht langsam über dem Horizont auf. Stolz hält Fischermann George einen Bund aus 10 Makrelen in die Höhe. Die kann man direkt vom Boot bei ihm kaufen.

foto: rené van bakel

Auf der anderen Seite der Insel legt gerade das Boot von Ronnie an. Er angelt nach größeren Fischen. Zwischen zwei Red Snapper und einen Barrakuda landet ein Schwarzspitzen-Riffhai auf dem Steg. Am Ende des Steges wird mit einer Muschel geblasen. "Das ist das Zeichen für die Leute, dass der Fisch eingetroffen ist" erzählt Michael. Er ist Chauffeur und fährt – adrett, in khakifarbener Uniform und weißen Handschuhen – seine Gäste über die Insel. Michael erzählt gerne. "Siehst du die Flasche da oben in der Palme? In der Früh wird sie aufgehängt, am Abend wieder vom Baum geholt. So wird an der Schnittstelle von einer geernteten Kokosnuss der Saft aufgefangen. Nach zwei bis drei Tagen fermentiert der Saft und man hat einen köstlichen Trank! Fragt nach Toddy". Auch Marcel und Nathalie trinken Toddy. Sie stehen im Garten ihrer neu renovierten Villa, die an Gäste vermietet wird. Marcel wirft den von Ronnie gefangenen Red Snapper auf den Grill. Nathalie serviert Breadfruit. "Der Mythos besagt, man kommt wieder, hat man erst einmal diese Frucht gekostet", flüstert sie ihren Gästen ins Ohr.

Relaxed
"Die meisten Touristen auf der Hauptinsel Mahé findet man im Norden. Den schönsten Sonnenuntergang sieht man hingegen am Anse Takamaka auf der Südseite der Insel", erzählt Chris, ein lokaler Fremdenführer. Er bringt uns zum Markt in der Hauptstadt Victoria. Dort geht´s geschäftig zu und das schon ab sechs Uhr morgens. Überall wird um Waren gefeilscht. Die bunten Farben der Mangos, Papayas, Bananen wetteifern mit der bunten Kleidung der Kreolen.

foto: rené van bakel

Scheinbar unbeeindruckt spaziert ein Kuhreiher im weißen Federkleid über die Fische. Die Marktkaufleute lassen ihn spazieren, schließlich fängt er die Insekten. Auf Mahé gibt es sogar eine Teeplantage. Mister Priyanga Tennege, ursprünglich aus Sri Lanka, leitet die Produktion des "Seyte´s". Stolz zeigt er seine Fabrik. "Wir arbeiten hier noch mit antiken Maschinen. Das ist gut für die Qualität des Tees!" Draußen hört man die Teepflückerinnen plaudern und lachen. "Ich habe mich an das Inseltempo gewöhnen müssen", lacht der Manager. "So konnte ich den lokalen Damen nie angewöhnen den Tee mit beiden Händen zu pflücken. Aber was soll´s. Wie man hier so schön sagt: Willkommen im Paradies, genieße deinen Seyte mit ein Lächeln". Ein Hund überquert in faulem Schritt die Straße. "Siehst du", ruft Chris lachend,"hier auf den Seychellen sind sogar die Hunde relaxed."

Erfüllte Träume
Die Sonne steht schon tief. Am Strand von Denis Island, ganz privat, gibt sich ein Pärchen unter einem Bogen von geflochtenen Palmblättern gesäumt mit frischen Blumen das Ja-Wort. Danach gibt´s Champagner im Sonnenuntergang.

foto: rené van bakel

Auf die Frischvermählten wartet eine Überraschung. Bade- wie auch Schlafzimmer der am Strand gelegenen Luxusvilla werden während der Trauung vom Inselstab liebevoll mit brennenden Kerzen und aus Handtüchern gedrehten Turteltauben geschmückt. Romantischer geht´s nicht? Doch! Nach ein paar entspannenden Stunden wird das Paar von einem eigenen Butler zum Strand geleitet. Dort ist bereits der Tisch gedeckt. Ein luxuriöses Fünf-Gänge-Dinner wartet. Der Mond trägt zur Stimmung bei.

foto: rené van bakel

Die Villen auf Denis Island sind von einem Hauch Exklusivität durchzogen. Mit privatem Zugang zum Strand und der Dusche unter dem freien Sternenhimmel. Gleich mehrere Chefköche sorgen für das leibliche Wohl und machen jede Mahlzeit zu einem unvergesslichen Höhepunkt. Aus dem Kopra (Fruchtfleisch der Kokosnuss) wird auf der Insel ein exquisites Massageöl hergestellt. Genau dieses bringt die Masseuse, die auf die Veranda der Villa zum Massieren kommt, mit. So liegt man auf dem Massagetisch, die Augen zum Träumen geschlossen. Nur das sanfte Rauschen der Wellen durchströmt die Gedanken. In der Luft schwebt der Duft von frischer Kokosnuss. (Katharina van Bakel-Auer & René van Bakel)

  • Mehr Bilder von den Seychellen gibt's in dieser Ansichtssache.
    foto: rené van bakel

    Mehr Bilder von den Seychellen gibt's in dieser Ansichtssache.

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