Bis zu 30.000 zusätzliche US-Soldaten möglich

25. November 2009, 17:21
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Obama gibt Afghanistan-Strategie am Dienstag in Rede bekannt - Sprecher: USA wollen nicht noch einmal acht Jahre bleiben

Washington - In einer Rede vor der Militärakademie West Point will US-Präsident Barack Obama am Dienstag kommender Woche die neue Strategie für den Einsatz in Afghanistan vorstellen. Obama werde sich am Dienstagabend (20.00 Uhr Ortszeit, 02.00 Uhr MEZ) von der Akademie im Bundesstaat New York aus an die Nation wenden und seine Entscheidung über mögliche weitere Truppenentsendungen begründen, kündigte sein Sprecher Robert Gibbs am Mittwoch in Washington an.

Die neue Strategie solle allmählich zu einem Ende des vor acht Jahren begonnenen Einsatzes führen, sagte Gibbs. Die USA wollten "nicht noch weitere acht oder neun Jahre" in Afghanistan bleiben, fügte er hinzu. Details der künftigen Strategie nannte der Sprecher nicht.

Die "New York Times" berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Regierungsvertreter, Obama könnte weitere 25.000 bis 30.000 US-Soldaten nach Afghanistan schicken. Derzeit sind etwa 68.000 US-Soldaten dort im Einsatz. Der Afghanistan-Kommandant der US-Armee, Stanley McChrystal, hatte weitere 40.000 Soldaten angefordert. Innerhalb von Obamas Regierung gibt es aber auch Vertreter, die vor einer weiteren Truppenaufstockung warnen - unter anderem der US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, und Vizepräsident Joe Biden.

Beratungen über Kosten der Truppenverstärkung?

Am Montag hatte Obama mit Vizepräsident Joe Biden, Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates zwei Stunden lang über die Forderung des Militärs beraten, die Zahl der US-Soldaten am Hindukusch um bis zu 40.000 aufzustocken. Es war das neunte Treffen der Runde zum Afghanistan-Konflikt. Auf einem Bild, das das Präsidialamt von Beratungen im Lageraum des Weißen Hauses veröffentlichte, war auch Budgetdirektor Peter Orszag zu sehen. Das gilt als Beleg, dass auch über die Kosten einer Truppenverstärkung beraten wurde.

Obama ist seit mehreren Wochen mit der Forderung des Oberkommandieren der internationalen Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, befasst, mehr Soldaten am Hindukusch einzusetzen. Derzeit sind 110.000 ausländische Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Die USA stellen mit 68.000 Mann das größte Kontingent. Die Bundeswehr hat mehr als 4000 Kräfte im Einsatz.

Brown: 10 NATO-Länder wollen 5.000 Soldaten

Zehn NATO-Staaten wollen nach Angaben des britischen Premierministers Gordon Brown insgesamt 5.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan entsenden. Das habe sich in Gesprächen Browns mit den betreffenden Staaten in den vergangenen Wochen ergeben, erklärte sein Sprecher Simon Lewis am Mittwoch in London. Brown habe diesbezüglich auch an NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen geschrieben. Um welche Länder es sich handelt, teilte die britische Regierung nicht mit.

Die Slowakei hat jüngst angekündigt, 250 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch zu verlegen. Brown hat die Entsendung von zusätzlich 500 Soldaten angekündigt, die bei der Zahl der 5.000 allerdings nicht berücksichtigt sind. Großbritannien hat derzeit 9.000 Soldaten in Afghanistan, vorwiegend im umkämpften Süden.

Unterdessen wurde klar, dass Deutschland künftig erheblich mehr Geld für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ausgeben muss. Die Regierung erwartet für das Jahr 2010 Ausgaben von rund 785 Millionen Euro. In diesem Jahr sind 570 Millionen Euro veranschlagt worden. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin am Mittwoch auf Anfrage, Gründe für die Verteuerung seien gestiegene Personal- und Betriebsausgaben sowie Materialbeschaffung und -erhaltung. Auch Infrastrukturmaßnahmen wie der Ausbau des Flughafens am deutschen Feldlager Masar-i-Scharif in Nordafghanistan wirkten sich aus. (APA/Reuters)

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    Präsident Obama beim Meeting zu Afghanistan im Situation Room am Montag im Weißen Haus.

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