40 Jahre Haft für Chef-Folterer der Roten Khmer gefordert

25. November 2009, 11:12
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67-Jähriger Duch als "skrupellose Effizienz in Person" beschrieben- Duch bittet Kambodschaner und Seelen der Toten um Verzeihung

Phnom Penh - Wegen der Ermordung von mehreren tausend Häftlingen und "unerbittlicher Brutalität" soll einer der obersten Folterknechte des steinzeitkommunistischen Pol-Pot-Regimes in Kambodscha nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für 40 Jahre ins Gefängnis. Kaing Guek Eav, genannt Duch (sprich: Doik), leitete das berüchtigte Foltergefängnis der Roten Khmer in Phnom Penh mit der Bezeichnung S-21. Dem 67-Jährigen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Folter und Mord zur Last gelegt.

Während der Herrschaft von Pol Pot von 1975 bis 1979 wurden in S-21 rund 16.000 Männer, Frauen und Kinder umgebracht. Insgesamt kamen unter dem damaligen Regime mindestens 1,7 Millionen Menschen um.

Der stellvertretende Staatsanwalt William Smith erklärte am Mittwoch vor dem Völkermord-Tribunal in Phnom Penh, die Anklage habe das geforderte Strafmaß wegen Duchs Schuldeingeständnis und seiner Aussagen über andere Führer der Roten Khmer um je fünf Jahre auf 40 Jahre Haft reduziert.

An den Richter gewandt sagte Smith in seinem Plädoyer: "Euer Ehren sollten sich der Träume und Chancen bewusst sein, die vernichtet wurden, der unerbittlichen Brutalität, die in S-21 ohne Gnade an allen Insassen verübt wurde, darunter auch an Hunderten Kindern, den schutzlosesten Opfern." Duch habe in ganz Kambodscha Terror verbreitet. Zudem müsse das Leiden der Hinterbliebenen in Betracht gezogen werden, das bis zum heutigen Tag andauere, sagte Smith.

Duch bekannte sich zu seiner Verantwortung

Duch folgte den Ausführungen der Staatsanwaltschaft reglos. Kurze Zeit später sagte er nochmals aus und bat die Kambodschaner erneut um Verzeihung. Er bekannte sich zu seiner Verantwortung als Mitglied des Pol-Pot-Regimes und sagte, er bereue die "Zerstörung in so einem unbegreiflichen Ausmaß zutiefst". "Ich möchte mich mit allem Respekt und demütig bei den Seelen der Toten entschuldigen."

Gleichzeitig erklärte Duch erneut, dass er nur einer von vielen Verantwortlichen für die Massaker im Land gewesen sei. Er habe die Morde in S-21 nicht verhindern können. "Ich konnte nichts tun um zu helfen. Pol Pot waren diese Leute ein Dorn im Auge", sagte Duch. Er habe selbst um sein Leben gefürchtet. Duchs habe selbst nur wenige Menschen umgebracht, sagte sein Verteidiger Kar Savuth. Er werde zum Sündenbock des Regimes gestempelt: "Ist das Gerechtigkeit?"

Einer der wenigen Überlebenden von S-21, Chum Mey, kritisierte als Prozessbeobachter, das vom Staatsanwalt geforderte Strafmaß sei zu niedrig. "Er sollte 70 oder 80 Jahre bekommen. Wenn es nach mir geht, sollte er mit dem Tod am Strang bestraft werden, aber das erlaubt das kambodschanische Recht nicht", sagte der 78-Jährige.

Prozessende für Freitag erwartet

Der Völkermord-Prozess, der erste seiner Art in Kambodscha, soll am Freitag nach acht Monaten abgeschlossen werden. Die Richter werden aber voraussichtlich erst Anfang kommenden Jahres Urteil und Strafmaß verkünden. Duch ist unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Ihm droht lebenslange Haft.

In dem Prozess sagten Experten sowie Überlebende von S-21 aus. Duch hatte das Foltergefängnis S-21 beaufsichtigt und die Folter und Hinrichtung von mindestens 15.000 Insassen angeordnet. Nur eine Handvoll Menschen überlebte.

Das mit Unterstützung der Vereinten Nationen eingerichtete Völkermord-Tribunal hat Prozesse gegen insgesamt fünf noch lebende Führungsmitglieder des Regimes vorbereitet. Der Führer der Roten Khmer, Pol Pot, starb 1998. Die Roten Khmer wollten eine ultra-kommunistische Bauerngesellschaft verwirklichen. (APA)

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    Wären Duchs Opfer noch am Leben, würden sie die für die Öffentlichkeit reservierten Bankreihen im Gericht "mehr als 24 Mal" füllen.

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