Österreichpremieren und weitere aktuelle Kinotipps jenseits der Hyper-Schlagzeilen

24. November 2009, 03:21
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... um sich nicht ausschließlich von den US-Konzernen die Themen diktieren zu lassen:

  • Im Hochsommer war er zur Unzeit gestartet, war es viel zu heiß für die beträchtliche Filmdauer, nun gibt es zum Glück nach vielfacher Nachfrage eine Wiederaufführung von Love Exposure (Ai no mukidashi) von Sono Sion - eine ungestüme, rauhe, delirerende und spektakelhafte, in eine melodramatische Erlösungsoper hinüberkippende japanische Komödie über Exzess, Beichte, Reue und erneuten Exzess: Alleinerziehender Vater wird priesterlich, Teenage-Sohn lässt sich viel einfallen, um erzählbare Sünden vorweisen zu können (unschwer zu erraten: bevorzugt über Sex), ein freches Mädchen stößt hinzu - und schließlich eine wahnwitzige Sekte. Im Februar schnell zum "kurzweiligsten Film der Berlinale" erklärt, wurde Love Exposure trotz seiner fast vierstündigen Potpourri-Dauer großer Kritiker- und Publikumsliebling - und mit zwei Preisen geehrt, dem Caligari- und FIPRESCI-Preis. Daten: Vom 23. bis 25. November und vom 29. November bis 3. Dezember jeweils um 19:00 Uhr. Mehr unter www.Topkino.at bzw. dem Youtube-Trailer
  • Von Freitag, Fr 27.November, bis Donnerstag, 3. Dezember steigt das Anilogue, das Internationale Animationsfilm-Festival in Wien (im Filmcasino und im Topkino) und Budapest. Animations-Highlights des Jahres werden als Österreich-Premieren präsentiert, etwa "Mary und Max" des Oscarpreisträgers Adam Elliot, die französischen (auch) Stopmotion-Komödie "Panique au village" , Tatia Rosenthals "$9.99" aus Israel, sowie eine Phalanx japanischer Anime-Großwerke - mehr unter www.filmcasino.at und unter www.anilogue.com
  • Die 10. (Jubiläums-)Auflage des monatlichen KurzFilmZimmers des Vienna Independet Short Filmfestivals widmet sich unter dem Titel Court métrage et l'esprit autoritaire am Sonntag, den 29. November ab 20:00 Uhr bei freiem Eintritt im Raum D des MuseumsQuartiers mit einer Reihe von Klassikern und Raritäten den Themenfeldern Überwachungskameras, Online-Durchsuchung, Datenspeicherung, Exekutivgewalt , staatlichen (Über-)Macht und Kontrollsucht - mehr unter viennashorts.com
  • Im Anschluss an die Reihe Grenzgeschichten über 1989 und dessen Folgen gastiert das Filmarchiv Austria mit Jewish Comedians von 25. bis 27. November an drei Abenden jeweils um 20:00 Uhr im Theater Nestroyhof Hamakom - mehr unter filmarchiv.at
  • Der Retrospektive Oshima Nagisa gilt eine große Empfehlung, nicht nur, weil die meisten Werke des japanischen Kinorebells hiezulande unbekannt sind. Die Werke der 60er Jahre etwa sind in ihrer Erzählweise allesamt ziemlich unterschiedlich und dazu mit Überraschungen gespickt - kurzum: sehr zugänglich, auch weil immer, nicht untypisch für einen linken Ex-Journalisten, internationalistisch in ihrer Ausrichtung. Spezielle Tipps fürs verlängerte Wochenende gelten "Nihon shunka-ko" ("Über japanische Lieder der Unzucht", 1967 Fr. 18:30 - !!), "Nihon no yoru to kiri" ("Nacht und Nebel über Japan", 1960, Fr. 20:30), "Gishiki" ("Die Zeremonie", 1971, So 18:30) oder "Etsuraku" ("Die Freuden des Fleisches", 1965, So. 20:45), "Kaette kita yopparai" ("Die Rückkehr der drei Trunkenbolde", 1968, Mo. 18:30) - mehr unter filmmuseum.at
  • Und schließlich, weil nur noch kurze Zeit auf den Breitleinwänden von Gartenbau und Filmcasino zu sehen: Lars von Triers Antichrist sei persönlich empfohlen, einfach, weil er ein prachtvoller, von allen Beteiligten spürbar hochkonzentriert gefertigter Film ist. Ein Ehepaar (Dafoe & Gainsbourg) rutscht darin ins Psychotische ab (oder auch, plastisch bebildert: von der Gegenwart ins Mittelater), das Filmdrama ist es selber aber nicht, sondern vielmehr mehrschichtig, ein Diskussionsanreger über Natur und Zivilisation, Psychotherapie und Mystik. Während praktisch all die Texte über den Film sich an der zwischenmenschlichen "Provokation" rieben - heißt: entweder sich in Details verbissen, oder aber auf ganz, ganz große Distanz gingen -, liegt seine eigentliche Stärke im Erhaschen der Waldstimmung, dem pointierten Servieren von Grausamkeiten der Tierwelt, in der Bildmetaphorik. Mehr unter filmcasino.at und gartenbaukino.at. (hcl)
  • Großartiger Spaß und Tränenmeere unter, mit und über Japan und Katholizismus: "Love Exposure"
 
    foto: rapid eye movies

    Großartiger Spaß und Tränenmeere unter, mit und über Japan und Katholizismus: "Love Exposure"

     

  • "Mary und Max" eröffnet am Freitag das Anilogue-Festival
 
    foto: anilogue

    "Mary und Max" eröffnet am Freitag das Anilogue-Festival

     

  • Sie könnten ein Pop-Trio sein, werden aber bisweilen für vor dem Vietnam-Krieg flüchtende Koreaner gehalten: Surreal entwickelt sich die "Rückkehr der drei Trunkenbolde" im Filmmuseum
    foto: filmmuseum

    Sie könnten ein Pop-Trio sein, werden aber bisweilen für vor dem Vietnam-Krieg flüchtende Koreaner gehalten: Surreal entwickelt sich die "Rückkehr der drei Trunkenbolde" im Filmmuseum

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