Tabu- und hemmungslos

23. November 2009, 20:18
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Warum die "großbusige Asialady" aus der Gentzgasse, das "transsexuelle Pornosternchen" aus der Gfornergasse und die "69-Jährige, behaart, hemmungslos" in der "Kronen Zeitung" inserieren ...

Warum die großbusige Asialady aus der Gentzgasse, das transsexuelle Pornosternchen aus der Gfornergasse und die 69-Jährige, behaart, hemmungslos in der "Kronen Zeitung" inserieren, dürfte den Betriebsräten der Bundesländermedien "Kleine Zeitung", "Salzburger Nachrichten", "Oberösterreichische Nachrichten" und "Tiroler Tageszeitung" einleuchten. Warum die Unterrichtsministerin Claudia Schmied von der SPÖ gar so hartnäckig desgleichen tut, weniger. Das mag mit dem Aufklärungseffekt zu tun haben, der von dem seit einigen Jahren erscheinenden Jungbäuerinnenkalender, diesem Pirelli-Katalog für Traktoristen, ausgeht, vielleicht auch mit einer Herabsetzung der öffentlichen Schamschranke - jedenfalls, nur über die Unterrichtsministerin sind die Bundesländer-Betriebsräte empört.

Mit einem offenen Brief an Kanzler Werner Faymann (SPÖ), Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) haben sie, wie dem steirischen Blatt am Freitag zu entnehmen war, gegen die Benachteiligung bei der Platzierung von Regierungsinseraten protestiert. Schmied hatte innerhalb von Wochen 460.000 Euro für Anzeigen ausgegeben. Der überwiegende Teil floss an die Boulevard-Medien "Österreich", "Krone" und "Heute".

Leider dürften die Betriebsräte in ihrer Empörung die Absichten der Ministerin gründlich verkannt haben. Was sie für eine "massive Wettbewerbsverzerrung zu Lasten von Arbeitnehmern bei Printmedien in den Bundesländern" halten - könnte dahinter nicht das ministerielle Anliegen stecken, so manches besuchsbereite Blasmäuschen, so manchen Tabuloscallboy durch geschickte inseratenmäßige Beeinflussung dem Sündenpfuhl, aus dem die "Krone" ihr Kleingeld keltert, zu entreißen, sie für den zweiten Bildungsweg zu gewinnen und - wer weiß? - gar für einen anschließenden freien Hochschulzugang zu entflammen? Wie könnte das gezielter erfolgen als per Inserat an den medialen Orten des Geschehens? Wo der Kardinal zu so vielen vertanen Bildungschancen seit Jahren schreibend schweigt, sollte man das inserierende Bemühen der Ministerin würdigen.

Vor allem ist der ebenso schnöde wie schwer auf dem Land lastende Verdacht zu zerstreuen, hier solle einfach mit Steuergeldern das Wohlwollen des Boulevards erkauft werden. Das tat der Bundeskanzler, als er nun im "profil" mit all dem Nachdruck, für den er nach einem Jahr des Regierens berüchtigt ist, erklärte: "Die Regierung braucht die ,Kronen Zeitung' nicht." Das war männlich gesprochen, und faymännlich ergänzt durch die Einsicht: Die ,Kronen Zeitung' braucht nicht die Regierung, um ihre Linie zu finden.

Von der Regierung nicht gebraucht zu werden, ist für Dichand vielleicht nicht ganz so schlimm wie die Aufkündigung einer Wahlverwandtschaft, die Faymann ein für alle Mal klarstellen wollte: Ich habe bekanntlich nie "Onkel Hans" zu ihm gesagt. Vor allem das bekanntlich sollte Skeptiker überzeugen. Denn bekanntlich sponsern üblicherweise Onkels die Neffen, nicht umgekehrt. Eben den umgekehrten Fall beklagte am Samstag aber "Österreich". 2 Millionen Euro kassierte die "Kronen Zeitung" von den ÖBB an versteckten Subventionen. Weitere 2 Millionen (!) flossen an "Heute". Zusammengefasst: Dichands kassierten 4 Millionen. Einmal gereizt, legten die Fellners nach. Wie ungeniert der Krone-Eigentümer beim Abkassieren öffentlicher Gelder vorgeht, zeigt der Umstand, dass allein die ,Krone' in den letzten Jahren von Regierung, Ministerien, der Stadt Wien, dem Land Niederösterreich und staatsnahen Betrieben über 100 Millionen (!) Euro an versteckten Subventionen erhalten hat. An die Dichand zuzurechnende Gratis-Zeitung ,Heute' sind weitere 30 Millionen (!) an öffentlichen Geldern geflossen.

Fellners Gereiztheit war nicht ganz unverständlich, durfte doch am selben Tag "Krone"-Liebling Strache über die Seiten 2 und 3 des Kleinformats enthüllen, dass allein im heurigen Jahr rund 900.000 Euro aus dem Budget der schwer verschuldeten Bundesbahnen für Werbung direkt zu einem österreichischen Krawallblatt geflossen sind. Ein Klacks! Aber Krawallblatt lesen und sich betroffen fühlen, war für Fellner eins. Dabei ist derzeit kein Krawall lauter, als der, den die "Krone" gegen die EU inszeniert. Er schlug furchtbar zurück: Übrigens subventionierte auch Strache mit seiner FPÖ die "Krone" für die FPÖ-freundliche Linie mit über einer Million Euro.

Wer glaubt da noch, Prostitution finde nur auf den hinteren Seiten des Boulevards statt? (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 24.11.2009)

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