Testamentfälscher jahrelang ungestört

23. November 2009, 19:15
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Zwei Mitarbeiter des Bezirksgerichts Dornbirn sollen Millionen ergaunert haben

Dornbirn - Einer war für Verlassenschaften zuständig, der andere für Grundbucheintragungen, gemeinsam sollen sie über Jahre in die eigene Kasse gewirtschaftet haben. Vergangenen Freitag wurde über zwei Mitarbeiter des Bezirksgerichts Dornbirn, einen Beamten und einen Vertragsbediensteten, die Untersuchungshaft verhängt. Sie stehen unter Verdacht in mindestens zehn Fällen Testamente und Urkunden manipuliert und so Millionen ergaunert zu haben. Ein dritter Mann, ein in Salzburg lebender Vorarlberger, soll bei den Betrügereien geholfen haben.

Am Montag veröffentlichte das Landeskriminalamt Vorarlberg einen ungewöhnlichen Zeugenaufruf: Gesucht werden "Personen, denen in der Vergangenheit bedenkliche Auffälligkeiten mit Verlassenschaften und Vertragserrichtungen, die über das Bezirksgericht Dornbirn bearbeitet wurden, aufgefallen sind".

Die Tatverdächtigen sollen Testamente von Verstorbenen, die keine oder keine nahen Verwandten hatten, selbst verfasst und in den Akt geschmuggelt haben. Als (vermeintlich) Begünstigte setzten sie Menschen ein, die unter Sachwalterschaft standen. Dabei bedienten sie sich gerichtsinterner Informationen. Die Verdächtigen könnten ihre Vertrauensstellung auch bei der vom Gericht beauftragten Sichtung von Nachlässen in Wohnungen Verstorbener missbraucht haben.

Unklar ist noch, wie lange sich die Malversationen bereits hinziehen. Es gibt Hinweise, dass die beiden Tatverdächtigen ihr System von Vorgängern übernommen hätten. Eine Sonderrevision durch Mitglieder der Tiroler Justizverwaltung soll nun klären, wo die Kontrollmechanismen versagt haben und wie sie verbessert werden können.

Intern ermittelt wird gegen die Gerichtsbediensteten seit Monaten. Ausgelöst wurden die streng geheimen Nachforschungen durch eine junge Richterin. Hinweise auf Ungereimtheiten kamen aber schon vor Jahren. Etwa durch eine Sachverhaltsdarstellung des Dornbirner Notars Manfred Umlauft. In einem zweiten Fall setzten sich geprellte rechtmäßige Erben zur Wehr. "Herausgekommen ist aber nichts", so Umlauft.

Die Staatsanwaltschaft versucht nun, den genauen Tathergang zu rekonstruieren. "Umfangreiches Aktenmaterial" muss, so Sprecher Heinz Rusch, gesichtet werden. Dass weitere Personen in die Betrügereien involviert seien, könne nicht ausgeschlossen werden. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 24.11.2009)

 

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