OMV zieht in der Türkei die Reißleine

19. November 2009, 18:01
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Gespräche über Mehrheitskauf von Petrol Ofisi wegen Steuernachforderung gestoppt

Wien - Die OMV hat die ursprünglich geplante Komplettübernahme des türkischen Tankstellenbetreibers Petrol Ofisi auf Eis gelegt - vorerst zumindest. Grund sind Steuernachforderungen, mit denen sich der Mehrheitseigner von Petrol Ofisi, die Dogan Holding, herumzuschlagen hat. "Das ist derzeit viel zu heiß" , hieß es in der OMV auf Standard-Anfrage.

"Für die OMV wäre es viel zu riskant, eine Firma zu kaufen, wo man nicht weiß, welche Forderungen wo und wann schlagend werden" , sagte Philipp Chladek, Analyst der Raiffeisen Centrobank.

Die OMV ist 2006 mit dem Erwerb von 34 Prozent an Petrol Ofisi in den türkischen Markt eingestiegen. Inzwischen hat sie ihre Anteile auf 41,58 Prozent erhöht und kontrolliert das Unternehmen gemeinsam mit der Dogan Holding (joint control).

Dogan hat es sich mit der regierenden AKP-Partei von Ministerpräsident Tayyip Erdogan verscherzt. Die Unternehmensgruppe, eine der größten und einflussreichsten Familien in der Türkei, beherrscht rund die Hälfte des privaten türkischen Medienmarktes und gibt unter anderem das Massenblatt Hürriyet heraus. Die Zeitung steht der AKP kritisch gegenüber. Das Unternehmen wirft der konservativ-islamischen Regierung vor, sie deshalb mit der Steuerstrafe überzogen zu haben. In Summe geht es um rund 2,2 Mrd. Euro. Die Europäische Union hat sich mehrmals besorgt darüber geäußert, dass der Konflikt die Pressefreiheit im Land des EU-Beitrittskandidaten Türkei gefährden könnte.

Für den Centrobank-Analysten Chladek ist die Absage der geplanten Mehrheitsübernahme von Petrol Ofisi durch die OMV "eine negative Nachricht" . Die Aussicht auf 100 Prozent sei "ein Hauptelement der OMV-Expansion in der Türkei gewesen" und hätte auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, an Raffinerieprojekten teilnehmen zu können. "Jetzt ist wieder alles offen" , sagte Chladek.

Der Deal in der Türkei hätte mit einer Kapitalerhöhung einhergehen sollen. Die Staatsholding ÖIAG, die derzeit mit 31,5 Prozent an der OMV beteiligt ist, hätte bei der Kapitalerhöhung nicht mitgemacht, ihr Anteil wäre auf rund 28 Prozent verwässert worden. Die Kapitalerhöhung ist nun aber vorerst vom Tisch.

Die OMV betont, die Türkei bleibe ein strategischer Markt. (stro, DERS STANDARD; Print-Ausgabe, 20.11.2009)

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