"Leichterer Verlauf als normale saisonale Grippe"

15. November 2009, 18:19
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Gesundheitsminister Alois Stöger beruhigt in Sachen "Neue Grippe" - Bisher habe es vor allem "sehr leichte" Krankheitsverläufe gegeben

Wer sich impfen wolle, könne das. Österreich habe genügend Impfstoff.

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Wien - "Ruhig, sachlich solide Gesundheitspolitik machen" will er. Auch und gerade in der von vielen Unsicherheiten geprägten Debatte um die sogenannte Schweinegrippe, eine Variante des Influenza-A-Virus H1N1. Und dieser Devise für sein politisches Agieren blieb Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) auch am Sonntag in der ORF- Pressestunde treu. Deeskalation statt Dramatisierung, Sachlichkeit statt Hysterisierung war Stögers Motto bei der TV-Befragung durch Waltraud Langer (ORF) und Martina Salomon (Die Presse).

Impfstoff für alle da

Kernpunkt der Stöger'schen Aussagen war: "Die Neue Grippe wird einen ähnlichen, wenn nicht einen leichteren Verlauf als die normale saisonale Grippe haben." Er sei "sehr froh", dass die bisherigen Fälle "sehr leichte Verläufe" zeigten und "keinen anderen Verlauf als die normale saisonale Grippe", sagte Stöger, der konsequent "Neue Grippe" sagt: "H1N1 geht nicht über die Lippen."
Stögers zweite Botschaft an die Bevölkerung betraf das Thema Impfen: "Jeder kann sich impfen lassen, wenn er oder sie will." Österreich sei, was die Vorbereitungen gegen diese Pandemie (eine länder- und kontinentübergreifende Epidemie) anlange, "Weltspitze", betonte Stöger, "Österreich ist das einzige Land der Welt, das es geschafft hat, Impfstoff für alle zu haben." (Infos unter der Hotline 05 05 555 oder auf www.bmg.gv.at)
Man habe sich bewusst für einen "zielgruppenorientierten, sorgsamen Umgang mit der Neuen Grippe" entschieden. Das heißt, die gesundheitspolitische Empfehlung für eine Impfung gegen die Schweinegrippe richtet sich vor allem an die definierten Risikogruppen. Das seien vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen, Schwangere ab der 15. Woche sowie Frauen, die schwanger werden wollen, listete der Minister auf. Dass das altersmäßige Ende der Risikogruppe bei etwa 50 Jahren angesiedelt wurde, ist für den 49-Jährigen ein zusätzlicher Grund, sich selbst nicht impfen zu lassen. Er verteidigte das Konzept der freiwilligen Impfung in Österreich.

Dass die Impfungen derzeit nur in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen, nicht aber von Betriebsärzten oder praktischen Ärzten verabreicht werden dürfen, hänge damit zusammen, dass die Logistik ganz darauf abgestimmt sei, "die Zielgruppen zu impfen, weil die Risikogruppen als Erste Schutz brauchen", sagte Stöger.
Eine Impfung gegen die "normale Grippe" sei wie schon bisher vor allem für ältere Menschen ab 60 Jahren "jedenfalls sinnvoll".
Ängsten vor einem möglicherweise nicht genug getesteten Impfstoff begegnete der Minister mit dem Hinweis, dass "wir den besten Impfstoff haben, den es weltweit gibt". Er sei bestens geprüft. Die Kosten für die Impfaktion belaufen sich laut Stöger auf 6,50 Euro für die einzelne Impfdosis, die von der Sozialversicherung finanziert werde, dazu kommen Kosten für Räume und die Impfung durch ärztliches Personal.

Rezeptfreie Notfallverhütung

Die von ihm geplante rezeptfreie Abgabe der „Pille danach", die die Einnistung einer Eizelle in der Gebärmutter verhindert, also keine Abtreibungspille ist, verteidigte Stöger gegen die Kritik unter anderem aus Kirchenkreisen: "Ich glaube, dass die Gesellschaft bei dieser Frage überreagiert." Es sei klar, dass das „nie die normale Verhütung sein wird". Aber er wolle mit dieser Maßnahme Frauen die Möglichkeit einer "Notfallverhütung" in die Hand geben, "um sie nicht in eine noch größere, schwierige Situation zu bringen". Stöger rechnet damit, dass "in den nächsten Tagen" der erste Antrag einer Pharmafirma auf Rezeptbefreiung für die "Pille danach" einlangen wird.
Zur Forderung von Familienstaatssekretärin Christine Marek (ÖVP), eine offizielle Abtreibungsstatistik zu schaffen, kam von Stöger ein Nein. Die Motive der Frauen zu diesem Schritt, den diese "sehr sehr ernst nehmen", seien ja ohnehin bereits bekannt.
Dem üblichen Nach-der-Pressestunde-Ritual entsprechend fand die Person, die gerade die Pressestunde absolviert hat, wenig bis gar keine Zustimmung bei der Opposition. Die FPÖ attestierte dem Gesundheitsminister allgemeine Überforderung, für das BZÖ ist Stöger gar die "größere Gefahr für die Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher als die Schweinegrippe". Den Grünen rang immerhin Stögers Plan, die "Pille danach" rezeptfrei abgeben zu wollen, Lob ab. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD Printausausgabe, 16.11.2009)

  • "Ich halte mich genau an die Empfehlungen und lasse mich daher nicht
impfen": Gesundheitsminister Alois Stöger setzt bei der "Neuen Grippe"
auf "zielgruppenorientierte" Versorgung.
    foto: matthias cremer/der standard

    "Ich halte mich genau an die Empfehlungen und lasse mich daher nicht impfen": Gesundheitsminister Alois Stöger setzt bei der "Neuen Grippe" auf "zielgruppenorientierte" Versorgung.

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