Domain-Händler soll Material besitzen, welches Ernst H. belastet

9. November 2009, 17:31
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Thomas Vogel schildert seine Recherchen und wie er bei der österreichischen Polizei abblitzte

"Die österreichischen Ermittler haben unglaublich geschlampt. Doch nun steigt der Druck, ich hoffe, dass alles ans Tageslicht kommt." Das sagt der Deutsche Thomas Vogel im Gespräch mit dem STANDARD über den Fall Kampusch. Er soll die Justiz als Zeuge unterstützen.

Vogel, der laut Kurier teilentmündigt sein soll, ist Domainhändler in Tengen, einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg, unweit des Bodensees. Als er im Sommer 2006 von der Befreiung Natascha Kampuschs erfuhr, hat ihn dies sofort beschäftigt. Einen derartigen Kriminalfall habe es schließlich "zuvor noch nie gegeben" . Auch beruflich interessierte ihn das Geschehnis. "Ich wollte mir gleich Internetseiten mit dem Namen Kampusch sichern" , erinnert er sich.

www.kampusch.de kam in seinen Besitz. www.kampusch.com jedoch sei schon vergeben gewesen, sagt er. Vogel also klickte nach eigenen Angaben auf die Seite. "Dann sah ich Natascha auf dem Video der Pornoseite" , erklärt er und erinnert sich auch an den Text darunter: "Sehen Sie, was die Polizei noch nie gesehen hat." Interessierte sollten 30 Euro bezahlen.

Vogel recherchiert, dass die Seite von einem Wiener aus dem Pädophilen-Milieu betrieben wird. Das will er der zuständigen Polizei im Burgenland mitteilen. Vogel: "Aber die haben mich nicht einmal zurückgerufen." Doch etwas anderes geschieht: Ein paar Stunden später ist das Video, auf dem Kampusch auf ihrem Bett im Straßhofer Verließ liegen soll, aus dem Internet verschwunden. Der Domainhändler behauptet, auch Bilder zu kennen, auf denen Wolfgang Priklopils Freund Ernst H. zu sehen ist: "Da feierten sie offenbar Nataschas Geburtstag. Sie muss ungefähr 15 geworden sein."

Vogel besitzt nach eigenen Aussagen noch mehr Material: eine Art "Vermächtnis" von Wolfgang Priklopil, das ihm ein Priklopil-Freund geschickt haben will. Aus diesem gehe hervor, dass Priklopil das Mädchen "sehr geliebt" habe.

Die österreichischen Behörden seien von ihm noch ein weiteres Mal kontaktiert worden. Im Herbst 2008 habe er sich an die Polizei im steirischen Gleisdorf gewandt, kam aber wieder nicht weiter: "Die haben mich ausgelacht und gesagt: ,Der Fall Kampusch ist doch schon längst abgeschlossen‘."

Erst jetzt wird Vogel gehört, aber in einer Art und Weise, die ihm nicht zusagt: "Jahrelang biete ich mich als Zeuge an, und nun gibt es bei mir auf einmal eine Hausdurchsuchung. Ich möchte aber klarstellen, dass ich Zeuge bin und nicht Mittäter." Dass das Interesse an ihm jetzt viel höher sei, bemerke er am Besuch, den er bekam. Vogel sagt, es seien nicht Polizisten der Polizeistation in Tengen gewesen, sondern Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA). (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD-Printausgabe, 10.11.2009)

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