Zahltag am Kohlmarkt

    9. November 2009, 16:38
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    Der Zeigefinger schoss quer über den Kohlmarkt. Und die Miene des an dem Zeigefinger angewachsenen Polizisten ließ keinen Interpretationsspielraum

    Ebensowenig die Strenge in der Polizistenstimme: Stehenbleiben. Absteigen. Herkommen. Und dann, schlagartig fröhlich und freundlich: Sie wissen schon, wieso. Oder? No na, dachte ich. Und sagte: Dass das eine Fußgängerzone ist, ist kein Geheimnis. Der Polizist strahlte: Und? Was noch? Ich war verwirrt: Wie - und? Der Polizist lachte: Na, Einbahn! Stadtauswärts. Ihr Pech! Wissen Sie, was das kostet? Ich verneinte: Nö, aber Sie. Der Polizist strahlte wie Armin Assinger und zählte auf: 21 Euro für die Fuzo, 36 für die Einbahn - und jetzt schauen wir uns das Rad an.

    Ich seufzte. Das tat dann auch der Polizist. Zufrieden und enttäuscht zugleich: Oh Wunder, passt ja alles! Er gab weiter den Quizmaster: Was, glauben Sie, war die höchste Strafe, die wir hier je zusammengekriegt haben? Ich war gespannt. Fast 700 Euro, rief der Polizist. Und der Depp hat uns dann auch noch beschimpft! Dass es schikanös sei, Radfahrer überhaupt zu kontrollieren. In der Fußgängerzone. Zu Mittag. Zwischen 1000 Touristen und Kindern. Da, sagte der Polizist, bleiben wir natürlich stur. Ich gab ihm recht: Das ist wie 160 auf der Autobahn. Die Regeln sind klar - und wenn ich erwischt werde, stehe ich dazu. Wurscht, wie leer die Autobahn war. Also was kriegen Sie? Der Polizist sah mich an. 21 Euro, grinste er. Die Einbahn erlass ich Ihnen. Um ein Uhr früh kann man schon mal ein Aug zudrücken. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/6.11.2009)

    • "Die Einbahn lass ich Ihnen."
      foto: wikipedia.org

      "Die Einbahn lass ich Ihnen."

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