Susi Schneider 1943 - 2009

6. November 2009, 17:38
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Ungewöhnliches Leben zwischen Österreich und den USA - STANDARD-Korrespondentin und derStandard.at-Bloggerin verstarb am Donnerstag

Wien – Wer zu ihr nach Croton-on-Hudson fuhr, musste einen ungewöhnlichen Weg nehmen. Der Zug in den kleinen Ort ein paar Meilen nördlich von New York führte mitten durch Sing-Sing, das berüchtigste aller US-Gefängnisse. „So, jetzt warst auch einmal im Häf‘n“, empfing sie ihre verblüfften Gäste dann mit breitem Lächeln – unorthodox, und immer für einen schrägen Spaß zu haben, das war Susi Schneider.

Seit mehr als 40 Jahren lebte die Wienerin in den USA, beinahe 20 davon hat sie als Journalistin gearbeitet – zunächst für die AZ, dann als Korrespondentin für den STANDARD. Ein „political junkie“ sei sie, behauptete sie von sich selber. Und was immer man von ihr über die USA (daneben über Oper – Verdi! – und englische Literatur) wissen wollte, sie konnte umfassend antworten. Dabei war sie journalistisch quasi spätberufen. Zunächst arbeitete Schneider für Österreichs Konsulat in New York. Als sie 1987 in Alpbach – ein Redner hatte die Präsidenten Reagan und Waldheim gelobt – demonstrativ ein Bankett verließ, fand sie lange keine Arbeit mehr bei regierungsnahen Stellen. Dafür fuhr sie mit der Wanderaustellung „The Jewish Vienna“ durch die Staaten und zeigte den Amerikanern ein anderes Österreich, so wie sie den Österreichern, zuletzt als vielgelesene Bloggerin, ein anderes Amerika vermittelte.

Am Donnerstag ist Susi Schneider in Salzburg einem langen Krebsleiden erlegen. (Christoph Prantner, DER STANDARD; Printausgabe, 7./8.11.2009)

  • STANDARD-Korrespondentin und derStandard.at-Bloggerin Susi Schneider.

    STANDARD-Korrespondentin und derStandard.at-Bloggerin Susi Schneider.

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