Vizerektor der Linzer Kunstuni: "Habe keinen Polizisten geschlagen"

5. November 2009, 18:55
110 Postings

Freispruch - Aussagen der Beamten unstimmig - Urteil noch nicht rechtskräftig

Linz - "Es fällt mir so schwer, mir das vorzustellen." Denn die Aussagen der Polizeibeamten passten so gar nicht zu jenem Beweisfoto, das zwischen Staatsanwalt, Richter, Verteidiger, Angeklagtem und Zeugen hin und her wanderte. Wegen dieser Unstimmigkeit wurde der Vizerektor der Linzer Kunst-Uni, Rainer Zendron, am Donnerstag vor dem Linzer Landesgericht vom Vorwurf des versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt freigesprochen.

Besagtes Bild zeigt Zendron, der zwei Polizisten gegenübersteht, wobei einer der Beamten ein Mädchen im Schwitzkasten hält. Jenes Handy-Foto wurde am 1. Mai während der Maikundgebung in der Linzer Innenstadt aufgenommen. Dabei war es zu Ausschreitungen und Gewalt gekommen. 20 Personen wurden verletzt, fünf verhaftet, darunter auch der Vizerektor, der nach seiner Festnahme bis zur Klärung des Falls sein Amt ruhend gestellt hat.

"Ich wollte den Beamten von derUnangemessenheit seiner Gewaltanwendung überzeugen" , rechtfertigte der Angeklagte sein Einschreiten gegen die Polizeigewalt. Zufällig sei er Zeuge des Übergriffs geworden, bei dem ein Beamter eine junge Demonstrantin "bedrängt, ihr einen Schlag versetzt und sie zu Boden gestoßen" habe. "Ich war äußerst bestürzt und betroffen, bin eiligen Schrittes auf den Polizisten zugegangen" , schilderte er, was sich am 1. Mai zugetragen hatte.

"Er hat meinen Kollegen massiv bedrängt" , beschreibt ein Polizist seine Wahrnehmung. Zendron "wollte ihn packen, mein Kollege hat offenbar Hilfe gebraucht" . Einige Sekunden später ging derVizerektor zu Boden, anschließend wurde er abgeführt.

"Der Beamte gab zu Protokoll, Sie hätten ihm Schläge mit der Faust und dem Unterarm versetzt" , hakte derRichter nach. " Ich habe keinen Polizisten geschlagen, sicherlich nicht" , beteuerte der Angeklagte. Nicht einmal das mutmaßliche Opfer konnte dies bestätigen: "Ich denke, dass es ein Schlag war." Er habe jedenfalls "etwas an der rechten Halsseite verspürt" , sagte der Polizist im Zeugenstand aus. Auch der zu Hilfe geeilte Beamte wusste nichts von Schlägen. Beinahe vorwurfsvoll meinte er zum Richter: "Es kann doch nicht sein, dass man von der Seite auf einen Inspektor zugeht und ihn bedrängt."

Dass er intensiv auf den Beamten eingeredet habe, das Mädchen nicht so zu behandeln, dabei geschrien und den Polizisten am Arm gefasst habe, leugnete der Angeklagte nicht. Handgreiflich sei er aber nie geworden, beteuerte er. "Auf dem Foto schaut es recht ruhig aus" , pflichtete der Richter bei. Deshalb falle es ihm so schwer, sich das von den Polizisten beschriebene aggressive Vorgehen Zendrons vorzustellen. Der Freispruch ist noch nicht rechtskräftig.

Die vier anderen gerichtlichen Nachspiele der Demonstration endeten mit einer noch nicht rechtskräftigen, bedingten Verurteilung sowie zwei Freisprüchen und einer Einstellung des Verfahrens. (Kerstin Scheller/DER STANDARD-Printausgabe, 6. November 2009)

Share if you care.