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Die Zukunft der erneuerbaren Energien

30. November 2009, 11:08

Österreich ist nicht nur im Skisport Spitzenreiter: Mit 56,6 Prozent hat das Alpenland auch den höchsten Anteil erneuerbarer Energien am Brutto-Inlandsstromverbrauch in der gesamten Europäischen Union

Herr Berger wohnt in Telfs. Er stapft Jahr für Jahr in den Wald, um Holz für seinen Ofen zu schlägern. Herr Königer in Wien-Simmering nutzt eine moderne Form der erneuerbaren Energien: Er lebt unweit des Wald-Biomassekraftwerks, das 2006 ans Netz ging und nun mit erneuerbarer Energie nicht nur 48.000 Wiener Haushalte mit Strom, sondern auch 12.000 mit Fernwärme versorgt. 

Unter den gegenwärtigen Bedingungen, rechnete die TU Hamburg gemeinsam mit der TU Graz aus, lassen sich mittelfristig die Anteile der regenerativen Strom- und Wärmeerzeugung auf 90 Prozent des Strom- und 40 Prozent des Wärmebedarfs steigern. Würde Österreich es schaffen, seinen Stromverbrauch langfristig zu reduzieren, könnte es sogar Energie aus erneuerbaren Quellen exportieren. 

Wasser und Wind

Die größten Chancen zum Ausbau von erneuerbaren Energien gibt es im Bereich der Wasserkraft – gefolgt mit einigem Abstand von der Windkraft. Die heimische Stromindustrie hat sich vorgenommen, die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien insgesamt bis 2020 um 14,3 Terawattstunden zu steigern. Das entspricht einer Reduktion der CO2-Emissionen von 6,6 Millionen Tonnen jährlich. Es ist aber auch klar, dass es die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien nicht zum Nulltarif gibt. Eine maßgeschneiderte Ökostromförderung wird benötigt, da die Produktion von Ökostrom derzeit noch vielfach nicht zu marktüblichen Preisen erfolgen kann. „Notwendig ist aber auch eine umfassende Energieplanung der Regierung und eine Vereinfachung der Genehmigungsverfahren, damit die E-Wirtschaft rasch in die Umsetzung gehen kann“, verlangt Barbara Schmidt, Generalsekretärin des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen Östererichs (VEÖ). 

Österreich nimmt im Vergleich mit den anderen EU-Staaten aber schon jetzt eine Spitzenreiterrolle ein: Mit einem Anteil von 56,6 Prozent oder dem Vierfachen des EU-Durchschnitts an erneuerbaren Energien am Brutto-Inlandsstromverbrauch führt Österreich das Ranking weit vor Schweden, Lettland, Rumänien und Portugal an. Allein von 1997 bis 2006 stieg der Anteil von Windkraft, Biomasse und Photovoltaik an der heimischen Stromerzeugung um 369 Prozent. Aber es gibt noch wichtige Potenziale bis 2020 zu heben: Sie setzen sich mit fast 50 Prozent vorwiegend aus Wasserkraft und mit knapp 30 Prozent aus Windenergie zusammen. Auf Biomasse entfallen 20 Prozent. Viel weniger Potenzial haben die Bereiche Photovoltaik und Geothermie (jeweils rund 0,7 Prozent).

Die „neuen“ Erneuerbaren

Derzeit liefern in Österreich auch zwei geothermische Kraftwerke Strom ins Netz; eines in Altheim in Oberösterreich. Dieses hat eine elektrische Leistung von einem halben Megawatt, und eines in Bad Blumau mit einer Leistung von 0,18 Megawatt. (Zum Vergleich: Das Wasserkraftwerk Freudenau in Wien hat eine Leistung von über 170 Megawatt). Bei der Geothermie wird die Wärme aus dem Erdinneren genutzt. In den beiden heimischen geothermischen Kraftwerken sind das Temperaturen von über 100 Grad Celsius, die zur Wärme- und Stromgewinnung genutzt werden.

Weit häufiger, vor allem im Osten von Österreich, ist die Nutzung der Windkraft. In Österreich kommen vorwiegend luvseitig montierte Dreiblatt-Rotoren zum Einsatz, die bei einer Schnelllaufzahl von sieben bis acht den größten Wirkungsgrad erreichen. Dabei betragen die Blattspitzengeschwindigkeiten, abhängig vom Rotordurchmesser, bis zu 300 km/h. Und Wind, als erneuerbare Energie, hat in Österreich noch ein Ausbaupotenzial bis 2020 von über vier Milliarden Kilowattstunden.

Klima- und Energiepaket

Insgesamt sieben Milliarden Kilowattstunden lassen sich – obwohl die Wasserkraft mit einem Beitrag von rund 60 Prozent bereits derzeit die wichtigste Stromerzeugungsform ist – bis 2020 noch an zusätzlicher Wasserkraft ausbauen. Gemeinsam mit den großen Speichern in den Alpen käme die Wasserkraft in Österreich dann auf 44,3 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Damit wäre auch der Anteil der E-Wirtschaft am Klima- und Energiepaket der Europäischen Union erfüllt, der vorsieht, dass der Ausbau der erneuerbaren Energiequellen am europäischen Endenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 einen Anteil von 20 Prozent erreicht. Österreich hat sich indessen sogar einen 34 Prozent-Anteil bei Strom, Raumwärme und Verkehr (Gesamtenergieverbrauch) als Ziel gesteckt. „Ohne massive Wasserkraftinvestitionen kann sich das nicht ausgehen“, warnt Schmidt, die in diesem Zusammenhang auch die Politik in die Verantwortung mit einbezieht. Denn die E-Wirtschaft stehe für die notwendigen Investitionen bereit, die Bevölkerung unterstützt – wie eine aktuelle Gallup-Studie bestätigte – Bauprojekte, insbesondere im Wasserkraft-Bereich. Was laut Schmidt in Österreich fehle, sei der klare politische Wille zur Durchsetzung notwendiger Projekte.

  • Bis zu 300 Stundenkilometer schnell werden die Rotorspitzen bei Windanlagen.
    Foto: Verbund

    Bis zu 300 Stundenkilometer schnell werden die Rotorspitzen bei Windanlagen.

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