Medwedew verurteilt Massentötungen unter Stalin

30. Oktober 2009, 22:12
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Präsident: Keine Rechtfertigung für menschliche Verluste

Moskau - Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat die Massentötungen während der Herrschaft des sowjetischen Diktators Josef Stalin scharf verurteilt. Für Unterdrückungen gebe es "keinerlei Rechtfertigung", schrieb Medwedew am Freitag anlässlich des Gedenktags für die Opfer politischer Repression in seinem Blog. Nichts sei wertvoller als das menschliche Leben. "Das Gedenken an nationale Tragödien ist ebenso heilig wie das an Siege", erklärte er mit Blick auf Stalin, den viele Russen wegen des Sieges gegen Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg noch heute als Helden verehren.

"Keine Entwicklung eines Landes, kein Erfolg oder Bestreben darf auf Kosten menschlicher Verluste oder Kummer geschehen", schrieb Medwedew in einer seltenen Verurteilung der Stalin-Diktatur seitens des Kremls. Die russische Organisation Memorial begrüßte die Erklärung Medwedews als "wichtig und nötig". Ihr müssten jedoch konkrete Taten folgen. Zudem brauche Russland mehr Museen und Bücher, die an die Verfolgung während des Stalinismus erinnerten, sagte Memorial-Chef Arseni Roginski der Nachrichtenagentur AFP.

Stalin hatte während seiner Herrschaft politische Gegner und ganze Volksgruppen auf brutale Weise verfolgen lassen. Insgesamt wird die Zahl der Menschen, die bei den sogenannten Säuberungen in den Zwanziger und Dreißiger Jahren getötet wurden, auf 12,5 Millionen geschätzt. Erst die sogenannte "Perestroika" (Umbau) unter dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow ermöglichte Ende der 80er Jahre eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit der Stalin-Ära. 1993 erschien das erste Schulbuch, das ausführlich über die Säuberungen berichtete. Unter Präsident Wladimir Putin änderte sich dies jedoch: Heute wird Stalin in den Geschichtsbüchern wieder als großer Feldherr und Staatslenker verherrlicht. (APA)

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