Lohnnachteile für Frauen auf dem Land höher

29. Oktober 2009, 12:45
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Lücke seit 30 Jahren konstant zehn Prozent größer als in der Stadt

Nürnberg - Die Lohnunterschiede zwischen berufstätigen Frauen und Männern wurden in den vergangenen Jahren leicht angeglichen. Auf dem Land werden weibliche Angestellte bei gleicher Beschäftigung, Berufserfahrung und gleichem Alter gegenüber ihren männlichen Kollegen dennoch nach wie vor stärker benachteiligt als in der Stadt. Wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aufzeigt, ist die Lohnlücke seit über 30 Jahren in ländlichen Gebieten um konstant zehn Prozent größer als in urbanen Regionen.

Mögliche Ursache: Diskriminierung

"Die unterschiedlich großen Lohnlücken können mitunter auf die Wettbewerbssituation der Unternehmen zurückgeführt werden. So verfügen Firmen in der Stadt aufgrund der größeren Konkurrenz über eine schlechtere Verhandlungsposition als auf dem Land", erklärt IAB-Forscherin Marion König. Der Expertin zufolge besitzen Betriebe in ländlichen Regionen hingegen gerade bei Pendlern über eine höhere Verhandlungsmacht.

Von der Verhandlungsmacht gegenüber den Arbeitnehmern sei auch die Möglichkeit zur Diskriminierung abhängig. "In ländlichen Gebieten sind prinzipiell kleinere Firmen vorzufinden. Zu unterschiedlich hohen Löhnen kann es beispielsweise kommen, wenn diese weniger Wert auf die Gleichstellung der Geschlechter legen", meint König. Wie hoch der Anteil von Diskriminierung als Grund für die Lohnunterschiede sei, könne jedoch nicht eindeutig bestimmt werden.

Frauen verdienen 25 Prozent weniger

Nach Angaben des IAB verdienten gering und mittel qualifizierte vollzeitbeschäftigte Frauen zwischen 25 und 34 Jahren im Jahr 1975 in den acht größten westdeutschen Städten 25 Prozent weniger als ihre männlichen Pendants. Auf dem Land habe die Differenz sogar 35 Prozent betragen. Die Ungleichheit zwischen Frauen- und Männerlöhnen ist seither zwar insgesamt geschrumpft. Der Unterschied zwischen Stadt und Land sei heute jedoch gleich hoch wie damals. In ländlichen Gebieten verdienen Frauen um ein Viertel weniger als Männer, während die Lücke in der Stadt "nur" 15 Prozent beträgt. (pte)

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