Francesco Rutelli verlässt den Partito Democratico

28. Oktober 2009, 19:24
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Piero Marrazzo tritt nach Sexskandal zurück

Die Wahl Pierluigi Bersanis zum neuen Vorsitzenden des Partito Democratico wirkt sich auf die italienische Parteienlandschaft aus. Als erster Vertreter des katholischen Flügels kehrt Francesco Rutelli der Partei den Rücken. Mit dem Trentiner Landeshauptmann Lorenzo Dellai präsentierte er am Mittwoch in Rom das "politische Manifest" einer neuen Zentrumsunion nach Vorbild der israelischen Kadima. Der neuen Partei könnten sich in Kürze auch die Christdemokraten von Pier Ferdinando Casini anschließen. Als Ansprechpartner wertet Rutelli Kammerpräsident Gianfranco Fini, Ferrari-Chef Luca di Montezemolo und Zentralbank-Gouverneur Mario Draghi.

Während im katholischen Flügel des Partito Democratico Verunsicherung herrscht, keimt unter Kommunisten, Sozialisten und Grünen, die allesamt aus dem Parlament verschwunden sind, neue Hoffnung auf. Noch diese Woche trifft Bersani mit den kommunistischen Gouverneur Apuliens, Niki Vendola, der von einer "Allianz gegen den Populismus" schwärmt. Der ehemalige Parteichef Walter Veltroni sieht "in der Rückkehr zum Sozialismus einen politischen Selbstmord". Die Politik sei "kein Leintuch, das man beliebig nach rechts und links ziehen" könne. Francesco Rutelli erklärte indes, es brauche Mut, "ausgetretene Pfade zu verlassen."

Der ehemalige römische Bürgermeister könnte sich schon in Kürze um die Nachfolge von Piero Marrazo bewerben. Der Präsident der Region Latium kündigte nach einem Sexskandal das "unwiderrufliche Ende" seiner politischen Laufbahn an und zog sich in ein Kloster zurück. In Rom verdichteten sich indessen Gerüchte, auch andere Spitzenpolitiker würden mit anzüglichen Videos aus der Transsexuellenszene der Hauptstadt erpresst, die von zahlreichen Prominenten frequentiert wird. Darunter sollen sich zwei ehemalige Minister befinden.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat im Fernsehen zugegeben, Marazzo eigenhändig über das Video informiert zu haben, das einer Zeitung seines Medienkonzerns angeboten worden sei. Die Polizei über die Erpressung zu informieren, sei nicht seine Aufgabe gewesen. Berlusconi meldete sich gegen 23 Uhr in einer Talksendung des staatlichen Kanals Rai 3, die er als "Lügen- und Verleumdungsfestival" bezeichnete. "Kein anständiger Italiener verfolgt ihre Sendung, die mit öffentlichen Geldern Schauprozesse inszeniert", beschied der Ministerpräsident dem Moderator Giovanni Floris. (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2009)

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    Francesco Rutelli und seine Linkskatholiken nehmen Abschied.

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