Taliban greifen Uno und Zivilisten an

28. Oktober 2009, 19:12
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In Kabul übernahmen sie ein Uno-Gästehaus - In Pakistan wurde US-Außenministerin Hillary Clinton mit einem Großanschlag empfangen

Kabul/Islamabad - Bei zwei schweren Anschlägen in der afghanischen Hauptstadt Kabul und dem pakistanischen Peshawar haben militante Islamisten fast hundert Menschen getötet und damit ihre Stärke vor der Stichwahl in Afghanistan demonstriert.

Im Zentrum Kabuls griff ein Selbstmordkommando der Taliban am Mittwoch ein Gästehaus an und ermordete sechs ausländische Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Neun Uno-Beschäftigte wurden verletzt. Ebenfalls am Mittwoch wurden bei der Explosion einer Autobombe auf einem belebten Markt in der Grenzstadt Peshawar mindestens 90 Menschen getötet und etwa hundert verletzt. Kurz zuvor war US-Außenministerin Hillary Clinton zu einem Besuch in Pakistans Hauptstadt Islamabad eingetroffen.

In Kabul verschanzten sich die Islamisten am Morgen in dem Gästehaus und lieferten sich über mehrere Stunden heftige Schießereien mit den Sicherheitskräften. Drei mutmaßliche Attentäter sprengten sich während des Gefechts offenbar selbst in die Luft.

Die Uno hilft bei der Organisation der Präsidentschaftsstichwahl am 7. November, die die radikalislamischen Taliban verhindern wollen. Genau deshalb hätten sie das Gästehaus als Ziel gewählt, erklärten die Taliban. Der Anschlag vom Mittwoch sei bloß der Beginn.

Zudem wurden Raketen auf das stark gesicherte Luxushotel Serena nahe dem Präsidentenpalast gefeuert, das von zahlreichen Ausländern und Diplomaten besucht wird. Menschen kamen dabei jedoch nicht zu Schaden. Mehr als hundert Besucher hätten sich in einen unterirdischen Bunker geflüchtet, berichtete ein Gast.

Im pakistanischen Peshawar explodierte ein Sprengsatz auf einem Markt in der Altstadt, der hauptsächlich von Frauen besucht wird. Die Detonation verursachte schwere Zerstörungen im Viertel, die Opferzahlen stiegen ständig.

Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand, der Verdacht fiel jedoch wie in Kabul auf die Taliban. Die Regierung werde sich in ihrer Entschlossenheit im Kampf gegen die militanten Islamisten auch durch die neue Attacke nicht erschüttern lassen, betonte der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi.

Wenige Stunden zuvor war US-Außenministerin Hillary Clinton in der Hauptstadt Islamabad eingetroffen, um einen Neubeginn in den Beziehungen zu Pakistan einzuläuten. Sie wolle sich stärker um die Bedürfnisse der Menschen auf der Straße kümmern, dazu zählten auch eine größere wirtschaftliche Unterstützung und der Aufbau demokratischer Institutionen, sagte Clinton. Schon zuvor hatte die US-Regierung angekündigt, ihre Hilfen für das instabile Land auf rund sieben Milliarden Dollar über die nächsten fünf Jahre zu erhöhen. Im Gegenzug muss Pakistan gegen militante Gruppen vorgehen und die Kontrolle der zivilen Regierung über das Militär sicherstellen.

Auch Indien verlangt von Islamabad ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen. Knapp ein Jahr nach der blutigen Terrorserie der pakistanischen Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba mit mehr als 160 Toten in Mumbai hat Indiens Premier Manmohan Singh jedoch dem Nachbarland ein Versöhnungsangebot gemacht. "Wir strecken Pakistan die Hand entgegen" , sagte Singh am Mittwoch bei der Einweihung einer Eisenbahnverbindung im indischen Teil Kaschmirs. (Reuters, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2009)

 

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    Verletzte bringen sich nach dem blutigen Anschlag auf einen Markt in der pakistanischen Stadt Peshawar in Sicherheit.

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    Bitterer Besuch: US-Außenministerin Clinton in Islamabad.

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