"Nicht alles ist unterhaltsam"

28. Oktober 2009, 17:50
1 Posting

Am 4. November wird der Wiener Filmpreis in den Kategorien Spielfilm und Dokumentation vergeben - Jurymitglied Markus Hinterhäuser im Interview

Standard: Sie bilden gemeinsam mit Marie-Christine Friedrich, Esther Stocker, Hans Langsteiner und Josef Winkler heuer die Jury für den Wiener Filmpreis. Haben Sie bereits Erfahrungen als Filmjuror?

Hinterhäuser: Nein, ich mache das zum ersten Mal. Ich bin von Hans Hurch gefragt worden und habe gleich gesagt, dass ich kein Filmexperte bin. Obwohl ich mir schon sehr viel anschaue. Er hat gemeint: Nein, das sei genau das, was er möchte, das sei keine Jury aus nur Experten. Sondern auch aus Menschen, die interessiert sind, ein Urteilsvermögen haben und vielleicht auch eine Geschmackssicherheit.

Standard: Wie viele der eingereichten Filme haben Sie schon gesehen?

Hinterhäuser: 20 habe ich ungefähr schon gesehen, zehn habe ich noch vor mir. Ich schaue jetzt jeden Tag welche an und versuche, zu einem Urteil zu kommen.

Standard: Haben Sie bereits einen Favoriten?

Hinterhäuser: Es gibt natürlich unter den Filmen, die ich gesehen habe, einige, die herausragend sind. Aber das kann ich jetzt erst einmal nur für mich entscheiden. Mehr darf ich dazu noch nicht sagen. Das wird dann in der Jurysitzung besprochen.

Standard: Kennen Sie die anderen Jurymitglieder, gab es eine Art Vorbesprechung?

Hinterhäuser: Nein, ich kenne nur - und den auch nicht persönlich - den Josef Winkler. Weil ich viel von ihm gelesen habe und ihn sehr schätze.

Standard: Die Jury muss sich beim ersten Zusammentreffen am 1. November gleich einigen, wer ausgezeichnet werden soll. Entschieden wird per Mehrheitsbeschluss?

Hinterhäuser: Ehrlich gesagt, das weiß ich nicht so genau. Ich vermute es. Bisher war ich nur in Jurys von Musikwettbewerben, da wird dann intensiv darüber diskutiert. Es wird sicher auch hier zu einer Einigung kommen. Es ist auch meistens schon klar, dass ein paar dabei sind, die von einer so großen Qualität sind, dass man da gar nicht drumherum kommt.

Standard: Sie stellen sich also auf eine Diskussion mittlerer Länge ein?

Hinterhäuser: Richtig. Für mich ist diese Erfahrung schon sehr bereichernd. Dass ich eine so große Anzahl von interessanten Filmen sehen kann. Wenn ich 30-mal ins Kino gehen müsste, hätte ich wahrscheinlich gar nicht die Zeit dafür. Das ist schon toll, dass ich mir das jetzt zu Hause ansehen kann. Sowohl in der Kategorie Spielfilm als auch beim Dokumentarfilm sind sehr interessante dabei, einige sind wirklich großartig.

Standard: Klingt, als wäre der Job als Viennale-Jurymitglied sehr unterhaltsam.

Hinterhäuser: Nein, es ist nicht immer unterhaltsam.

Standard: Quälen Sie sich durch manche Filme?

Hinterhäuser: Nein, Qual ist es nicht, aber es ist nicht alles Unterhaltung. Oft sind es auch ernsthafte Auseinandersetzungen. Also wenn Unterhaltung mit Haltung zu tun hat, dann ist einiges davon vertreten. Aber es gibt auch sehr witzige Sachen, die man sich gerne anschaut.

(Martina Stemmer, SPEZIAL - DER STANDARD/Printausgabe, 29.10.2009)

Zur Person:
Markus Hinterhäuser ist Konzertchef der Salzburger Festspiele.

  • Markus Hinterhäuser betätigt sich als Filmjuror. Heuer vergibt die Jury erstmals zwei Preise zu je 14.000 Euro.
    foto: wildbild

    Markus Hinterhäuser betätigt sich als Filmjuror. Heuer vergibt die Jury erstmals zwei Preise zu je 14.000 Euro.

Share if you care.