Norwegen erhöht Leitzins

28. Oktober 2009, 15:37
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Oslo - Norwegen hat die Zinswende in Europa eingeläutet. Die Zentralbank des Landes setzte ihren Leitzins am Mittwoch um einen Viertel Prozentpunkt auf 1,5 Prozent herauf und drehte damit als erstes europäisches Land nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise wieder an der Zinsschraube. Die Landeswährung Krone konnte davon aber nur kurz profitieren.

Die Skandinavier dürften noch für längere Zeit einen zinspolitischen Sonderweg gehen. Ihre vom Ölexport getragene Wirtschaft entwickelt sich deutlich besser als der Rest Europas. So fand beispielsweise die polnische Zentralbank in Warschau am Mittwoch keine Argumente für eine Zinsanhebung und beließ ihren Leitzins bei 3,5 Prozent.

Wie die Norges Bank in Oslo nach einer regulären Sitzung des geldpolitischen Komitees mitteilte, will sie wegen der besseren Wirtschaftsaussichten weitere Zinserhöhungen folgen lassen. "Die Wirtschaftsaktivität in Norwegen hat schneller wieder zugelegt als erwartet", erklärte der Gouverneur der Zentralbank, Svein Gjedrem. "Die Entwicklungen haben angezeigt, dass es angemessen ist, den Leitzins anzuheben."

Gjedrem kündigte an, dass der Leitzins bis zum nächsten geldpolitischen Report im März 2010 zwischen 1,25 und 2,25 Prozent liegen werde. Nimmt man wie viele Analysten den Mittelwert von 1,75 Prozent als von der Norges Bank anvisierten Leitzins an, signalisierte er damit eine weitere Zinserhöhung; laut Analysteneinschätzungen kommt diese vermutlich im Februar.

Niedrige Arbeitslosenquote

Norwegen geht es deutlich besser als den meisten anderen europäischen Ländern - der Immobilienmarkt boomt wieder und die Arbeitslosenquote liegt bei lediglich knapp drei Prozent. Nach den Worten Gjedrems ist das "bedenkenswert niedriger als früher prognostiziert". Das Land profitiert vor allem von den wieder sprudelnden Einnahmen aus dem Ölexport. Norwegens Notenbank folgt mit der Zinserhöhung dem Beispiel Australiens, das kürzlich als erstes großes Industrieland die globale Zinswende nach der Krise eingeläutet hatte.

Die wichtigen Zentralbanken in Washington, London und Frankfurt freilich dürften sich mit Zinserhöhungen noch länger zurückhalten und abwarten, ob sich die konjunkturelle Erholung auch als nachhaltig erweist. Die Federal Reserve, die Bank of England und die Europäische Zentralbank (EZB) entscheiden alle drei in der kommenden Woche über ihre Leitzinsen. Niemand rechnet damit, dass sie die Zinsen anheben werden.

Von Reuters befragte Volkswirte erwarten nahezu unisono, dass beispielsweise die EZB nicht vor Ende des dritten Quartals 2010 ihren Leitzins anhebt. Die Londoner Zentralbank könnte nach Einschätzung von Experten wegen der andauernden Rezession in Großbritannien kommende Woche sogar nochmals eine Ausweitung ihrer Wertpapierkäufe im Kampf gegen die Krise beschließen. In den USA läuft das Anfang des Jahres gestartete Ankaufprogramm für Staatsanleihen über 300 Mrd. Dollar (203 Mrd. Euro) dagegen noch in dieser Woche aus.

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