"Negativmeldungen verunsichern kaum"

28. Oktober 2009, 13:50
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Leute werden deswegen nicht Ordinationen stürmen - Experte: "Mit Schreckensmeldungen erreicht man nichts"

Wien - Die ersten Schweinegrippe-Verdachtsfälle haben die Menschen nervös gemacht - von der anfänglichen Hysterie ist bis dato aber nicht viel geblieben. Die Bereitschaft sich impfen zu lassen, ist gering. H1N1 hat sich bisher nicht als Killervirus herausgestellt und auch die ersten Schulschließungen und schwereren Krankheitsverläufe werden Experten zufolge die Menschen nicht die Ordinationen stürmen lassen. Die Unsicherheit beim Auftauchen des Virus' schürt mehr Angst als die tatsächliche Bedrohung, sagt Gesundheitspsychologe Norman Schmid vom Berufsverbands Österreichischer Psychologen (BÖP).

Die Unsicherheit zu Beginn löst Angst aus, weil man noch nicht weiß, wie sich das Ganze entwickeln wird, meinte Schmid. Je mehr Informationen man im Verlauf der Grippewelle erhält, umso kontrollierbarer scheint die Krankheit. "Auch wenn es objektiv gesehen nicht so sein muss und widersprüchliche Infos im Umlauf sind." Jetzt wo es Maßnahmen wie eine Impfung gibt, wird die Schweinegrippe nicht mehr als so schlimm empfunden. "Man hat jetzt ein Fangnetz, das gibt Sicherheit", sagte der Experte.

"Kein Umkehrdenken"

Schwere Erkrankungsfälle - wie jenen des elfjährigen Mädchens in Tirol - oder Schulschließungen wie in Osttirol lösen bei Impfunwilligen kein Umkehrdenken aus. "Eher im Gegenteil. Mit Schreckensmeldungen erreicht man nichts", meinte Schmid überzeugt. Ängstliche werden sich wohl eher impfen lassen, Kritiker blocken aber noch mehr ab. "Negativwerbung" spricht jene an, "die sich ohnehin impfen lassen würden". Hier spiele aber auch die Nähe zum Vorfall eine Rolle.

Alles was neu ist, führe zu einer Hysterie, je mehr und länger die Schweinegrippe aber ein Thema ist, "umso normaler wird es", so der Psychologe. "Wir stellen uns auf schwierige Situationen gut ein." Kritiker vom Impfen überzeugen könne derzeit wahrscheinlich nur eine "sehr neue Information", die die vermeintliche Sicherheit erschüttert. Etwa wenn das Virus mutiert oder die Medikamente nicht greifen. Ob man die Schweinegrippe bedrohlich empfinde oder sie bagatellisiere sei sehr persönlichkeitsabhängig. (APA)

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