Quelle ringt um Zwischenfinanzierung

27. Oktober 2009, 17:41
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Die Österreich-Tochter des deutschen Versandriesen will den Banken Geld abtrotzen, um bis zum Einstieg eines Investors liquid zu bleiben

Wien/Linz - Für das Management von Quelle Österreich war das lange Wochenende alles andere als entspannend: Ein Telefongespräch jagte das andere, eine Sitzung folgte auf die nächste, wussten Insider am Dienstag zu berichten.

Für die Österreich-Tochter des in die Insolvenz geschlitterten Versandhändlers Quelle geht es ums Ganze. Wenn bis Ende der ersten Novemberwoche kein Investor gefunden ist, muss das Traditionsunternehmen wohl auch in Österreich dicht machen.

Zur Zeit bemüht sich das Management um eine Art Zwischenfinanzierung, bis ein Investor gefunden ist. Zwar gebe es keinen akuten Liquiditätsengpass, man wolle aber vorsorgen, Die Rede ist von 50 bis 70 Millionen Euro.

"Wir sind in laufenden Gesprächen, noch ist nichts entschieden", sagte Oberbank-Sprecher Frank Helmkamp dem Standard.

Die Oberbank ist neben der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich langjähriger Partner von Quelle Österreich und hat unter anderem das große Lager des Versandhändlers in Linz mitfinanziert.

"Kein Umsatzeinbruch"

Der Betriebsratsvorsitzende von Quelle Österreich, Felix Hinterwirth, hat unterdessen Gerüchte in das Reich der Fantasie verwiesen, wonach das Unternehmen im Gefolge der Pleite von Quelle Deutschland kräftig Umsatz eingebüßt habe. "In der Vorwoche lagen wir im Jahresvergleich um acht Prozent über Vorjahr. Es gibt keinen Umsatzeinbruch", sagte Hinterwirth.

Wie es mit der Warenanlieferung weiter gehe, müsse man erst sehen. In der Vorwoche seien jedenfalls noch Waren geliefert worden. "Bei Technikartikeln sind wir fast zur Gänze vorrätig. Bei Textilien zwickt es da und dort, das ist wahr. Aber auch da ist das meiste noch lieferbar," sagte der Betriebsratschef.

"Wir empfehlen, nichts gegen Vorauskasse zu bestellen", sagte Renate Wagner vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). "Wenn der Kunde die Ware hat und dann mit Erlagschein zahlt, gibt es in der Abwicklung des Kaufvertrags aber im Grunde kein Problem." Generell sei zu Bedenken, dass im Insolvenzfall Gewährleistungsansprüche verpuffen.

In der Quelle-Zentrale in Linz wird betont, dass man seit Jahrzehnten keine Ware gegen Vorauskasse liefere. Bei großen Anschaffungen werde mitunter eine Anzahlung verlangt, was aber vergleichsweise selten vorkomme. Der Großteil der Kunden zahle mit Erlagschein, ein kleinerer Teil per Nachnahme.

Quelle Österreich beschäftigt, wie berichtet, rund 1200 Mitarbeiter. Weil Einkauf, IT, Marketing und andere zentrale Funktionen stark mit jenen der deutschen Mutter verwoben sind, hat der Countdown für die österreichische Gesellschaft längst begonnen. Ende Oktober werden bei Quelle Deutschland die meisten Mitarbeiter der Einkaufsabteilung entlassen. Dann gibt es nur noch ein kleines Team bei der Quelle in Linz, die schon bisher einen Teil der Ware selbst beschafft hat. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

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