Basisdemokratisch und sauber

27. Oktober 2009, 11:39
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Studierenden-Vollversammlung am Dienstag um 12 Uhr

In der Nacht vor der Studierenden-Vollversammlung am Dienstag um 12 Uhr, herrschte erhöhte Betriebsamkeit im Hörsaal A auf der besetzten Grazer Vorklinik. Ein Organisationsteam, dass sich in verschiedenen Gruppen um die Finanzierung der Proteste, die Medienarbeit, um Bologna und die Zugangsbeschränkungen „kümmern" wird, und alle drei Tage ausgetauscht werden soll, wurde gewählt. Trotz langwieriger basisdemokratischer Abstimmungen hatte man eine zahlreiche Punkte umfassende Forderungsliste weiter ausgearbeitet. Neben vielen lokalen und konkret institutsbezogenen Punkten, erinnerte man sich auch immer wieder gegenseitig an die globalen Zusammenhänge und die Wichtigkeit des gemeinsamen Prozesses. „Ökonomisierung der Bildung ist kein Wien- oder Graz-spezifisches Problem", betonte einer der Redner am Podium.
Dass die Besetzungen in Wien und Graz nicht unbemerkt bleiben, machten zahlreiche internationale und nationale Solidaritätserklärungen, die zu Beginn des Plenums, an dem Montagabend rund 250 Studierende teilnahmen, deutlich. Ideologisch reichten die Briefe, die verlesen wurden, von der Kommunistischen Partei Steiermark bis zur Katholischen Hochschülerschaft.

Wisiak: "Morgen wird's ernst"

„Morgen wird's ernst", rief KSV-Bundesvorsitzender Sebastian Wisiak gegen Ende des Plenums in den Hörsaal, „bis jetzt war es ihnen wurscht, dass wir über die Feiertage hier sind, heute müssen so viele wie möglich hier schlafen, ich stelle euch meine Matratze zur Verfügung". Der Aufforderung durchgehend da zu bleiben, kamen rund 30 Studierende tatsächlich nach. Die Besetzung selbst läuft in Graz geradezu vorbildlich ab. Ein Mitarbeiter der Gebäudeverwaltung, der anonym bleiben möchte, bedankte sich am Dienstagmorgen beim Organisationsteam, „weil alles so gut und ordentlich läuft". Und eine Mitarbeiterin der Reinigungsfirma, die ab Dienstag von der Universitätsleitung abgezogen wurde, meinte: „Bei Euch schaut's ordentlicher und sauberer aus, als wenn normaler Vorlesungsbetrieb ist". Detail am Rande: Auch wenn Studierende das Recht haben, Vollversammlungen jederzeit abzuhalten - Klopapier dürfen Ihnen die Reinigungskräfte ab sofort keines mehr bringen.

Aktionsgemeinschaft entschied sich gegen Teilnahme an Vollversammlung

Eine Fraktion, die neben FLUG, Gras, KSV und VSSTÖ die Solidarisierung mit den Audimax-Besetzern in Wien und die Besetzung in Graz seit Freitag voll mitgetragen hatten, brach am Montagabend weg. Die AG entschied sich einen Tag vor der Vollversammlung, doch nicht gegen „ihren" Minister zu protestieren. Sie forderten plötzlich ein Ende der Besetzung.
Alle anderen wollen jedenfalls nach der Vollversammlung nachmittags mit Sturm und Maroni, nachts mit DJs (die Organisatoren des am Sonntag zu Ende gegangenen Elevate-Festivals stellen Technik und Leute zur Verfügung) bleiben, wo sie sind.
(Colette M. Schmidt, derStandard.at, 27.10.2009)

 

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