Kür und Konjunktiv

22. Oktober 2009, 18:52
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An der Spitze von Vereinen und Fachverbänden bis hin zum Pfitschigogerln und Kirschkernweitspucken tummeln sich Politiker oder Wirtschaftsbosse - von Fritz Neumann

Rot und Schwarz würden sich das Land aufteilen. Hört man oft. Wenn's denn so wäre, so hätte der Sport von jeher kein schlechtes Trainingsfeld abgegeben. An der Spitze von Vereinen und Fachverbänden bis hin zum Pfitschigogerln und Kirschkernweitspucken tummeln sich Politiker oder Wirtschaftsbosse, die klar dem einen oder dem anderen Lager zuzurechnen sind. Den Fachverbänden übergeordnet sind die Dachverbände, natürlich einer in schwarzer (Union) und einer in roter Hand (Askö). Über den Dachverbänden stehen Bundes Sport Organisation (BSO) und Olympisches Comité (ÖOC). Ihr steht Peter Wittmann vor, ihm seit gestern Karl Stoss, der Leo Wallner als Casinos-General und als ÖOC-Präsident abgelöst hat.

Der Kür des neuen ÖOC-Präsidenten sollte nun sozusagen die Pflicht folgen. Stoss ist zuzutrauen, dass er das ÖOC-Bild in der Öffentlichkeit korrigiert. Der Mann hat sich bei PSK, Bawag, Raiffeisen Zentralbank, Generali Vienna und Casinos Austria für den neuen (Neben-)Job fit gemacht, Bergsteiger ist er außerdem.

Indirekt hat Stoss sein Amt dem Sportminister zu verdanken. Norbert Darabos war allerdings angetreten, nicht nur den ÖOC-Filz zu lösen, sondern auch die Sportstruktur im Land zu vereinfachen. Doch hätte man, auch um horrende Verwaltungskosten zu sparen, wie in Deutschland die BSO und das ÖOC zusammengeführt, so hätte wohl entweder Rot oder Schwarz durch die Finger geschaut. Und würden sich die wirklich das Land aufteilen, so käme das nicht infrage. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 23. Oktober 2009)

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