Bayerns Fall lässt den Kaiser verstummen

22. Oktober 2009, 18:17
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Bayern graut nach dem 1:2 bei Girondins Bordeaux vor der Zukunft - Coach Louis van Gaal ist ratlos - Franz Beckenbauer fällt auch nichts ein

Wien - Immer wieder Frankreich. 2001 war es, da hatte sich Franz Beckenbauer nach einer 0:3-Champions-League-Pleite des FC Bayern in Lyon beim anschließenden Bankett seine Spieler zur Brust genommen. Der "Kaiser" wütete, sprach von Altherren-Fußball, den die Bayern gezeigt hätten, und dass sie erst das Einmaleins des Sports erlernen müssten. Zwei Monate später gewann der deutsche Rekordmeister zum bisher einzigen Mal die Champions League.

Dass die Bayern den aktuellen Bewerb für sich entscheiden können, scheint ausgeschlossen. Am Mittwochabend leistete das allerdings stark ersatzgeschwächte Team von Louis van Gaal beim 1:2 in Bordeaux eine Art Offenbarungseid. Beim anschließenden Bankett wollte das Essen wieder nicht schmecken, aber Beckenbauer schwang keine Reden. Nur ein "Das Spiel ist für uns saublöd gelaufen" entfuhr ihm über "Seeteufel Bordelaise" und "Rinderfilet Maître de Chai". Dass die Franzosen mit einem Eigentor eröffnet hatten, war ihm entfallen.

Der Vorstandsvorsitzende der Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, war kein gleichwertiger Ersatz. Er empfahl nur "dringend, eine andere Gangart einzulegen. Das wird nicht der Erfolgsweg des FC Bayern sein." Schon wahr, schließlich ist Trainer Van Gaals bisherige Bilanz schlechter als jene seines gefeuerten Vorgängers Jürgen Klinsmann. Und dem Niederländer ist schon die Rute ins Fenster gestellt. "Louis van Gaal weiß, dass wir Erfolg haben müssen", sagt Rummenigge. Wie, das ist Disziplinfanatiker Van Gaal selbst schleierhaft. "Wenn ich das wüsste", sagt er auf die Frage, wie er seine Mannschaft ändern könnte. Ein Absatz: "Wir müssen lernen, den Ball zur richtigen Farbe zu spielen."

Franck Ribery kann nicht helfen, er droht wegen seiner Probleme an der Patellasehne zumindest bis Ende November und daher auch für Frankreichs WM-Quali-Playoff auszufallen. Im nächsten Champions-League-Spiel daheim gegen Bordeaux fehlen auch Thomas Müller und Daniel van Buyten, die am Mittwoch hochverdient Gelb-Rot bzw. Rot sahen. Die Bayern haben ordentlich geholzt im Stadion Stade Chaban-Delmas. Und sie waren daher mit der Kartenausbeute wie mit dem Ergebnis gut bedient. Bordeaux hatte in der Schlussphase relativ stümperhaft noch zwei Elfmeter vergeben.

Milans Befreiungsschlag

Dass die Champions League auch zur Krisenbewältigung genützt werden kann, bewies der AC Milan mit dem 3:2-Triumph bei Real Madrid. "Die alte Garde Mailands macht die Galaktischen lächerlich", verspottete El Mundo Deportivo den spanischen Rekordmeister, der ohne Cristiano Ronaldo auszukommen hatte.

Sonst waren aber alle Preziosen im Einsatz, weshalb Trainer Manuel Pellegrini nach der zweiten Pflichtspielpleite der Saison seiner "großen Enttäuschung" Ausdruck verlieh. Selbst der sonst so verlässliche spanische Teamtorhüter Iker Casillas patzte, wenn auch nicht ganz so eklatant wie sein Gegenüber Dida beim Führungstreffer von Real.

Der Brasilianer legte Raúl dessen 68. Tor im Europacup auf, womit der Real-Kapitän mit Spitzenreiter Filippo Inzaghi gleichzog, der in Madrid zwar dabei war, als Torjäger aber vom 20-jährigen Brasilianer Pato vertreten wurde. Pato stach mit zwei Treffern auch seinen vor der Saison von Milan zu Real gewechselten Landsmann Kaká aus. Erleichtert war Milans zuletzt arg kritisierter Trainer Leonardo: "Wir waren viel besser. Unsere Leistung in der zweiten Halbzeit war unglaublich." (sid, lü, DER STANDARD Printausgabe, 23. Oktober 2009)

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    Bordeaux (auf dem Boden Jaroslav Plasil) spielte mit den Bayern "Such's Balli". Denen fiel dazu vor allem Derbes ein. Daniel Van Buyten (li.) sah Rot, Kapitän Mark Van Bommel der Kugel hinterher.

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