USA wollten auch Österreich um Verhaftung bitten

22. Oktober 2009, 14:43
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Polanski sollte bei Eröffnung seines Musicals "Tanz der Vampire" verhaftet werden - E-Mail brachte Vorhaben ans Licht - Plan aus Zeitmangel und Unsicherheiten fallen gelassen

Wien - Die US-Strafverfolgungsbehörden haben für kurze Zeit erwogen, Österreich um die Verhaftung von Roman Polanski zu ersuchen. Aus Zeitknappheit und wegen der Ungewissheit, wie Österreich darauf reagieren könnte, wurde der Plan verworfen. Das belegt ein der Nachrichtenagentur AP vorliegender E-Mail-Verkehr der US-Justiz von 23. Dezember 2008.

Einen Tag zuvor hatte das Schweizer Justizministerium die Kollegen in Washington über die für den 26. September diesen Jahres geplante Einreise Polanskis zum Filmfestival Zürich unterrichtet. Die US-Staatsanwälte entschieden sich dann aber offensichtlich relativ rasch, die Österreicher nicht mit der Festnahme des Starregisseurs zu behelligen.

Polanski hätte am 16. September in Österreichverhaftet werden sollen, wo er in Wien die Eröffnung seines Kultmusicals "Tanz der Vampire" besuchte.

Dass der Filmemacher hierzulande unbehelligt blieb, erklärte man im österreichischen Justizministerium damit, dass es noch offene Fragen gegeben hätte. In solchen Fällen werde zunächst mit den "primär Betroffenen" Kontakt aufgenommen, so Paul Hefelle, Sprecher von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Bei dem US-Haftbefehl seien Frankreich und Polen die ersten Ansprechpartner gewesen, für diese Länder besitze der Filmemacher auch eine Staatsbürgerschaft. Von Seiten Polens sei der österreichischen Justiz beschieden worden, dass der Fall nach dortigem Recht bereits verjährt sei.

Polanski sitzt weiterhin in der Schweiz in Haft, nachdem ein Gericht am Dienstag seine Haftbeschwerde wegen hoher Fluchtgefahr abgelehnt und auch die angebotene Kaution als ungenügend beurteilt hatte.  (APA)

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