Ein Donnerwetter geht ab

22. Oktober 2009, 17:29
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Voodoo-Blues, Funk und Sixties-Trash: The Heavy taumeln damit Richtung Friedhof - zwecks Party

Dass bei einer The Heavy benannten Band die Ballade ein Außenseiterdasein fristet, liegt auf der Hand. Dafür ist es umso erstaunlicher festzustellen, dass sich die britische Band selbigen Namens im seltenen Fall eines Abstechers in die langsame Form als ebenso firm erweist wie auf der präferierten Autobahn: Ein seelenvolles Stück wie Short Change Hero wirkt in all dem ansonsten verursachten Irrsinn als wohltuende Oase der Ruhe. Kurz. Manchmal zu kurz.

Denn der Sturm und der Drang, den The Heavy auf The House That Dirt Built deutlich bis überdeutlich ausleben und dabei den Deckel permanent gefährlich hochgehen lassen, kann auf Dauer etwas anstrengend sein beim Hören. Ihre Heaviness einverleiben sie sich beim harten Funk, während der Rhythmus etwas an eine überwundene Einöde namens Big Beat erinnert. Die restlichen Zutaten kommen aus dem Sixties-Soul, B-Movie-Soundtracks und Rock, ebenfalls aus den Sixties. Kurze, harte Riffs, die mit Klaviermelodien sanft umspült oder vom Schlagzeuger gnadenlos abgewatscht werden. Das klingt also mitunter etwas verbiestert und gepresst.

Stücke wie das beim verstorbenen Voodoo-Blueser Screamin' Jay Hawkins ausgeborgte Sixteen vereinen die Qualitäten von The Heavy am wirkungsvollsten: Angriffslust und emotionale Wucht taumeln hier entschlossen Richtung Friedhof, um dort ein Fass aufzumachen. Am Ende donnert es, und ein Wetter geht ab. Chris Ellul, Spencer Page, Kelvin Swaby und Dan Taylor docken souverän an der Vergangenheit und in der Gegenwart an und sind in ihrer Eindringlichkeit und Materialauswahl relativ einzigartig.

The House That Dirt Built ist ihr zweites Album - und sehr super! Im November live zu erleben! (flu / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.10.2009)

The Heavy: The House That Dirt Built (Ninja Tune/Hoanzl)

The Heavy live: 19. November, Wuk Wien. 20.00

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    foto: hoanzl
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