Spielend arm bleiben

14. Oktober 2009, 13:56
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Der Umgang mit neuen Technologien bedeutet nicht zwangsläufig die Überwindung von Armut. Spiele können natürlich auch zur Bildungsbremse werden

Bis zu 598 Euro könnten sich arme Leute im Jahr sparen, wenn sie sich einen Internet-Zugang zulegen, errechnet PricewaterhouseCoopers für Großbritannien. Nicht nur die Manie, alles durch Zahlen und am besten in Geld sagen zu müssen, ist an der Meldung ablesbar (Link siehe unten). Diesen einen Aspekt im vielfältigen Gefüge dessen, was Armut heute ausmacht, herauszugreifen und ihn unter den Gesichtspunkt höchstmöglicher Effizienz zu betrachten, ist vielleicht witzig für ein paar Unternehmensberater. Einer finanzschwachen Unterschicht, die über kein Internet verfügt, diese Rechnung vorzulegen, ist aber im höchsten Maß lächerlich.

 

Heranwachsende sollen mit neuen Technologien in Kontakt kommen, auch um die Chance am Arbeitsmarkt zu erhöhen, keine Frage. Das muss den Leuten klar gemacht werden und nicht, dass sie damit etwas billiger bekommen. Und auch das Vermögen, damit gewinnbringend umzugehen, muss vermittelt werden. Die Kompetenz, moderne Technologien verantwortungsbewusst, bildend und vielleicht auch Haushaltsbudget optimierend zu gebrauchen, wird nämlich nicht mitverkauft. Was bleibt, ist indifferenter Gebrauch digitaler Unterhaltung. Spiele etwa können grandios sein, Unvorbereitete und in anderen Lebensbereichen Benachteiligte können sich aber in ihnen verlieren. Der maßlose Gebrauch von "World of Warcraft" spart Teenies vielleicht im Vergleich zu durchgefeierten Nächten Geld, das heißt aber noch lange nicht, dass das eine sinnvolle Weiterentwicklung ist. Nur weil man Internet hat, muss man längst nicht einer bildungsfernen Schicht und damit der Armut Ade sagen.
Internet sollte Status quo für alle sein. Es mit einem Spargedanken verkaufen zu wollen, klingt aber nach schäbigem Marketing .

http://derstandard.at/1254311298874/Technologie-kann-Ausweg-aus-Armut-bieten

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