Emo im Zuckerl-Land

21. Juli 2009, 23:21
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Österreichische Indie-Games, diesmal in Flash: Manuel Fallmann spielt mit Virusinfektionen und ironisiert Jugendkultur

 

Auf Facebook gibt es jetzt einen "Pocket Emo", dem man beim Selbstbemitleiden zusehen kann, der nicht spielen will und den nur sein Tagebuch versteht. Diese kleine Parodie auf eine Jugendkultur stammt von Manuel Fallmann und resultiert aus seiner Erfahrung mit diesem Stereotyp, wie er sagt. "Zugegebenermaßen mit einem Hauch von Selbstironie, nachdem auch ich
eine Teenage-Angst-Phase durchlebt habe, bevor der ganze Spaß zu einem Dresscode und zur übermäßigen Glorifzierung emotionaler Labilität wurde."

Der Hang zum Dunklen, Verzerrten zieht sich durch seinen ganzen Webauftritt, durch Skizzen, Filme und Spiele des 24-jährigen Web-Programmierers. Die Emo-Parodien entstünden auch deshalb, weil seine Homepage MINDistortion.tv, auf der er seine Werke präsentiert, aufgrund "der eher düsteren Aufmachung Emos anzieht, wie Fliegen, die ins Licht fliegen".

"MindScape", eines der aufwändigeren Flash-Spiele, die auf MINDistortion.tv zugänglich sind, lässt einen Figur, die offenbar ebenfalls Anleihen an der Emo-Ästhetik genommen hat, durch eine Jump'n'Run-Welt laufen, die eigenen Schwerkraftregeln folgt, und mit der man Zuckerl und Schrauben einsammeln und einem rosa Hasen einen Schlüssel wegnehmen muss. Absurder Humor ist eben wichtig. 160 Arbeitsstunden, verteilt über drei Monate, steckte der Entwickler in dieses Projekt.

In einem anderen manövriert man als Virus durch vorbeischwebende Blutkörperchen und muss sie infizieren. "Ich neige dazu, ziemlich leicht auf eher simple Spiele reinzukippen", sagt Fallmann. Und es macht ihm auch Spaß, einfache Spielprinzipien zu erfinden: "Im Prinzip lebe ich meine Ideen aus und möchte versuchen entweder neue Spielkonzepte zu finden, oder alten Spielkonzepten ein neues Gesicht zu geben."

Manuel Fallmann sei, wie er sagt, schon immer ein Fan von Computerspielen gewesen. Ein Schlüsselerlebnis war aber, als er auf die Site Newgrounds.com stieß, die Flash-Projekte junger Talente promotet. Also beschäftigte er sich mit Flash, machte Filme, später Spiele. Tom Fulp, der Gründer der Site, hat mit den "wundervollen Spielen 'Alien Hominid' und 'Castle Crashers' (zuerst Flash, dann Xbox Live)" große Vorbilder für den Indie-Entwickler zu verantworten. Irgendwo im Hinterkopf lebt auch bei ihm die Idee, einen Weg zu finden, von den eigenen Ideen zu leben, vielleicht auch von Flash wegzukommen und für kommerzielle Plattformen wie Xbox Arcade zu entwickeln. Flash habe aber den Vorteil, dass man damit Spiele viel leichter über Plattformen veröffentlichen kann.

www.MINDistortion.tv

 

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