Salzburg startet Offensive für "Schule der Zukunft"

21. Oktober 2009, 14:49
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LH Burgstaller: Chance war noch nie so groß - Neues Lehrer-Dienstrecht mit "All-In-Verträgen" angedacht - 2010 erstmals Herbstferien

Salzburg - Eine Offensive für die "Schule der Zukunft" startet Salzburgs Bildungsreferentin Gabi Burgstaller (SPÖ). "Die Chance war noch nie so groß wie jetzt." Die ÖVP bewege sich endlich und "das beflügelt uns", sagte Burgstaller bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit dem Amtsführenden Präsidenten des Landesschulrates für Salzburg, Herbert Gimpl, am Mittwoch. Ein Kernpunkt ihres sieben Punkte umfassenden Vorschlags sei ein neues Lehrer-Dienstrecht als Grundstein für weitere Reformschritte, so die Landeshauptfrau, die für ihre Offensive bereits die Zustimmung von Ministerin Claudia Schmied (S) eingeholt hat.

Gerade vor dem Hintergrund des dramatischen Wechsels von Lehrern in den Ruhestand sei die Entwicklung eines modernen Dienstrechts für eine neue Lehrer-Generation dringend notwendig. Dabei sollte auch die Frage gestellt werden, ob nicht "All-in"-Verträge und ein höheres Anfangsgehalt mit dem Jahren abflachend sinnvoll wären, sagte Burgstaller. Auch der Erfahrungsschatz verdienter Lehrkräfte sollte genützt werden. "Es kann nicht sein, dass man Lehrer einfach in Frühpension schickt. Daher wird es in Zukunft notwendig sein, älteren Pädagogen Alternativen zur Frühpensionierung anzubieten", erklärte Salzburgs Bildungsreferentin. Als Beispiele für derartige Alternativen zu Frühpensionierungen nannte Burgstaller Tätigkeiten in der Administration oder die Übernahme von Förderunterricht in kleinen Gruppen oder Nachhilfe.

Burgstaller: Verwaltungsreform "die diesen Namen auch verdient"

Ein weiterer Punkt sei eine Verwaltungsreform, "die diesen Namen auch verdient". Salzburg habe sich bereits in den vergangenen Jahren engagiert für eine Modernisierung der Strukturen im Bildungswesen eingebracht, doch umgesetzt könne eine derartige Strukturreform nur auf Bundesebene werden, unterstrich die Landeshauptfrau. Die Bildungsreferentin plädierte in diesem Zusammenhang für eine "Verwaltungsvereinfachung mit deutlichem Schwerpunkt auf mehr Autonomie für die einzelnen Schulstandorte". Dies müsse über eine Bildungsdirektion auf Landesebene umgesetzt werden, in der alle Angelegenheiten der Schulbildung Platz finden.

Ein neues Lehrerdienstrecht werde ebenso wie die Ausweitung der Aufgaben am Schulstandort nur dann die Akzeptanz der Lehrer finden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wenn die Schule der Zukunft verstärkt in Richtung der ganztägigen Betreuung gestaltet werden soll, müsse für Lehrer ein entsprechender Arbeitsplatz (mit eigenen Tischen etc.) vorhanden sein.

Abschaffung des Sitzenbleibens gefordert

Den Ausbau und die flexiblere Gestaltung der Nachmittagsbetreuung sieht Burgstaller als weiteren wesentlichen Schritt, um die Schule stärker an den Bedürfnissen von Kindern, aber auch der Eltern auszurichten. "Nachdem die Ganztagsschule noch nicht erreicht wurde und viele Schulen auch die verschränkte Form der Ganztagsschule nicht anbieten, ist es notwendig, dass zumindest an jeder Schule, wenn der Bedarf gegeben ist, Nachmittagsbetreuung angeboten wird", so Burgstaller, die eine Senkung der Gruppeneröffnungszahl auf zehn verlangte. Als Ziel der Modernisierung des österreichischen Bildungs- und Schulsystems nannte Burgstaller die Gesamtschule.

Gefordert wird auch die Abschaffung des Sitzenbleibens, an dessen Stelle verstärkte und verbesserte individuelle Fördermaßnahmen treten sollen. Es sei mit rein pädagogischen Gründen nicht zu argumentieren, warum ein Schüler ein ganzes Schuljahr mit allen Inhalten wiederholen muss, wenn die Leistungsschwäche nur einzelne Fächer betreffe, stellte die Bildungsreferentin fest.

Das Bundesland Salzburg wird im nächsten Schuljahr 2010/11 die Herbstferien einführen und dafür die Sommerferien 2011 um eine Woche verkürzen. Das Schuljahr beginnt am 1. Montag im September - so wie im Osten. Der genaue Termin müsse noch abgeklärt werden. (APA)

 

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