Unauffindbarer Patient

29. Juli 2008, 16:13
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Letztens habe ich fast einen ganzen Tag damit verbracht, den Mann einer Tschetschenin mit Kind zu suchen. Der war nämlich in Oberösterreich in Schubhaft, die zuständige Polizeibehörde sagt mir aber, sie hätten den Mann nach einem Hungerstreik ins Spital gebracht. Die Frau hat sich nun eingebildet, ihr Mann sei sicher im Wiener AKH. Das habe ich aber nicht für möglich gehalten, denn der Mann war ja in Oberösterreich, wenn der etwas hat, werden sie ihn wohl dort in ein Spital bringen und nicht durch halb Österreich nach Wien schicken.

In Oberösterreich war er aber nirgends aufzufinden, also habe ich es dann doch im AKH versucht. Dort war er natürlich nicht. Später kommt dann die Frau und sagt mir, er habe angerufen, er sei in der Nähe des Westbahnhofs in einem Spital. Ich habe dann versucht, herauszufinden, wo das denn sein könnte. Aber in der für Oberösterreich zuständigen Stelle hebt wieder niemand ab, und die zuständige Schubhafteinrichtung verweist mich an die Wiener Bettenzentrale, dort hebt auch sehr lange niemand ab, und dann, als ich doch endlich jemand erreiche, verweisen die mich wieder an die Schubhafteinrichtung, dort hebt dann auch wieder niemand ab, dazwischen kommt immer wieder die Frau ins Büro und wird von Mal zu Mal verzweifelter, ich kann sie ja auch gut verstehen, aber ich kann ihr nicht helfen, weil alles nur sehr mühsam von den Behörden herauszufinden ist.

So geht das tagtäglich: Der Unwillen so mancher Behörden macht uns die Hilfeleistung nicht gerade leicht - und so passieren dann auch Fehler: Neulich habe ich zwei Familien verwechselt, mit je sieben Leuten, die alle dringend eine Unterkunft brauchen. Von der einen Familie kam der Ehemann, nach langem hin und her hatte ich dann eine Wohnung gefunden. Ich sagte zu dem Mann, er soll am nächsten Tag kommen und den Schlüssel holen. Am nächsten Tag kam die Ehefrau der anderen Familie und erzählte mir völlig aufgelöst von ihrem Wohnungsproblem. Ich habe sie gefragt, ob nicht ihr Mann neulich da war wegen der Wohnung, da sagt sie, ja, ja und dann habe ich ihr den Schlüssel gegeben,. Erst später bin ich draufgekommen, dass das ja eine andere Familie war. Es ist aber kaum verwunderlich, dass so etwas passiert. Wir kommen zu nichts, weil wir nie weiterkommen.

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