Neue Wohnungen im Stadtteil "Kabelwerk"

23. Jänner 2008, 13:08
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Im vergangenen Herbst verlor mein Verein eine Unterkunftsmöglichkeit im 14. Wiener Gemeindebezirk, denn dort soll in Zukunft ein Sozialprojekt der Stadt Wien entwickelt werden. Wieder einmal musste ich mir große Sorgen machen, wo ich denn nun die dort wohnenden Asylwerber, die zu einem großen Teil aus Afrika kommen, unterbringen sollte. Zum Glück bot man mir im letzten Moment im neu errichteten Stadtteil "Kabelwerk" 26 Wohnungen an. Dabei handelt es sich um jeweils zirka 30m² große Appartements im so genannten "Pool"-Haus. Die Flüchtlinge können den namensgebenden Pool am Dach natürlich nicht nutzen, denn dafür fehlen ihnen die finanziellen Mittel. Die Wohnungen dort sind in gutem Zustand, allerdings kosten sie auch ein Stück mehr als jene im 14. Bezirk.

Weil es dem Verein ohnehin an Unterbringungsmöglichkeiten mangelt, sollten sich immer zwei Personen ein Appartement teilen. Dies ist aber nicht immer möglich, die Asylwerber haben ja oft die schlimmsten Dinge erlebt und nicht alle Menschen passen zueinander. Insgesamt wohnen 40 Flüchtlinge im Poolhaus, außerdem haben dort zwei türkische Studentenvereine Wohnungen. In der ganzen Anlage "Kabelwerk" sollen einmal zirka 3000 Leute wohnen.

Mitte Dezember erschien dann ein Artikel in einer kleinformatigen Zeitung, wo behauptet wurde, dass im Poolhaus Asylwerber gratis im Luxus wohnen würden. Nun würden die anderen Bewohner um ihre Sicherheit besorgt sein, wie ein freiheitlicher Bezirksrat, der ebenfalls im Kabelwerk wohnt, in der Zeitung bemerkte. Meine Meinung zum Thema war für die Redakteurin des Artikels offenbar nicht von Belang, kontaktiert hat sie mich jedenfalls nicht.

In den Internetforen der Kabelwerkbewohner (auch der Bezirksrat schreibt dort viel) tauchten dann die heftige Vorwürfe auf, was die Flüchtlinge schon alles angestellt hätten, schlimmste Anschuldigungen (Drogen, sexuelle Belästigung usw.) wurden auf Flugblättern im Kabelwerk angebracht, verstärkt wurde auch Werbung für Selbstverteidigungskurse gemacht.

Die Hausverwaltung hat im Kabelwerk ein Büro mit Sprechstunden, die Beschwerden, die dort über die Asylwerber eingingen, bezogen sich aber alle ausschließlich auf diese Anschuldigungen aus den Internet-Foren. Auch bei der Polizei habe ich mich erkundigt, aber die wussten nichts von all den Beschuldigungen.

Offenbar haben hier Menschen, die Asylwerber mit Verbrechern gleichsetzen, in den Internet-Foren ganz bewusst massiv Stimmung gegen die Flüchtlinge gemacht. Und nun spüren die Flüchtlinge in aller Deutlichkeit, dass sie hier unerwünscht sind, einer wurde auch schon auf dem Weg von der U-Bahn-Station zum Hauseingang "begleitet".

Ich war sehr froh, dass ich im Kabelwerk Wohnungen bekommen habe. Aber mir wäre wohler, wenn die Asylwerber in einer Umgebung wohnen, in der man nicht die Leute gegen sie aufhetzt.

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