Teufelskreis: Schmerzen und Depression

19. Oktober 2009, 16:30
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Schmerzpatienten haben ein drei Mal höheres Risiko als der Bevölkerungsdurchschnitt, eine psychiatrische Erkrankung zu entwickeln

Wien - "Das Risiko, irgendwann im Laufe des Lebens Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates zu bekommen, liegt bei 70 bis 80 Prozent", erklärt Berthold Kepplinger, Ärztlicher Direktor des Landesklinikums Mostviertel Amstetten-Mauer und Sekretär der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG). Viele Menschen leiden aber nicht nur an chronischen Schmerzen, sondern zugleich an Depressionen, teilt die ÖSG in einer Aussendung anlässlich der derzeit stattfindenden Schmerzwochen mit.

Dass chronische Schmerzen dramatische Auswirkungen auf die Lebensqualität haben, zeigt eine aktuelle Studie des Europäischen Dachverbandes von Schmerzgesellschaften EFIC "Pain in Europe": Jeder vierte Betroffene hat ein eingeschränktes Sozialleben, fast ein Drittel der Schmerzpatienten büßt an Unabhängigkeit ein. Müdigkeit, Erschöpfung, ein eingeschränktes Sexualleben und Konzentrationsstörungen treten ebenso häufig auf.

Psyche hat Einfluss auf Schmerz

"Vor kurzem wurde der Welttag der seelischen Gesundheit begangen. Aus diesem Anlass sollten wir auch daran erinnern, dass psychische Faktoren entscheidenden Einfluss auf Schmerzerkrankungen haben können. Besonders eng ist die Wechselwirkung zwischen Depression und Schmerz. Depression ist zugleich Auslöser und Verstärker von Schmerzen, und Schmerzen sind umgekehrt eine Ursache von Depression. Chronische Schmerzpatienten haben ein drei Mal höheres Risiko als der Bevölkerungsdurchschnitt, eine psychiatrische Erkrankung zu entwickeln, und Depressionspatienten haben ein drei Mal höheres Risiko für eine chronische Schmerzerkrankung", erklärt Kepplinger.

Der Experte plädiert angesichts dieser Zusammenhänge dafür, Schmerzpatienten systematisch auch auf Symptome einer Depression zu untersuchen: "Diese Aufklärungsinitiative ist auch besonders wichtig, damit die vielen unerkannten Depressionen bei Schmerzpatienten demaskiert und adäquat behandelt werden können."

Warum diese Wechselwirkung zwischen Depression und Schmerz zu beobachten ist, das entschlüsseln die Experten zunehmend: Sehr ähnliche Mechanismen im Gehirn und sehr ähnliche Botenstoffe sind für beide Leiden verantwortlich. "Für die Zusammenhänge zwischen Schmerz und Psyche spricht auch die Wirksamkeit von Antidepressiva und psychotherapeutischen Verfahren in der Schmerz-Behandlung", so Kepplinger. "Aus diesen Gründen gilt heute als unumstritten, dass Schmerzen nicht nur frühzeitig und ausreichend mit Medikamenten, sondern auch mit psychologischen und verhaltensmedizinischen Strategien behandelt werden müssen." (red)

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    Chronische Schmerzen gehen oft mit Depressionen einher

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