Streik-Drohung bei Styria-Tochter "Vecernji list"

19. Oktober 2009, 20:29
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Arbeitnehmer protestieren gegen Kündigung von fünf Mitarbeitern - Styria bestreitet starken Auflagenrückgang und weist Vorwurf der Kollektivvertragsflucht zurück

Wien - Die kroatische Journalistengewerkschaft SNH (Sindikat novinara Hrvatske) will am 30. Oktober 2009 einen Streik bei der Tageszeitung "Vecernji list" organisieren, falls die Styria-Tochter nicht ihren Plan fallen lässt, fünf Mitarbeiter zu kündigen und das Foto-Ressort aufzulösen. Das kündigten die SNH und der Journalistenverband HND (Hrvatsko novinarsko drustvo) in Zagreb an. Klaus Schweighofer, Auslandsvorstand der Styria Media Group AG, betonte auf APA-Anfrage, dass es keine Alternative zum Stellenabbau gebe.

Keine Alternative

"In Kroatien haben im Tageszeitungsbereich alle Mitbewerber in den vergangenen 18 Monaten teils massiv Mitarbeiter abgebaut. Wir hatten bei 'Vecernji list' bis dato zugewartet und mit anderen Kostenmaßnahmen das Auslangen gefunden", so Schweighofer. Nun komme aber auch die Styria angesichts eines weiteren Rückgangs der Erlöse über den Sommer "ohne größere Personalmaßnahmen nicht mehr aus. Eine Alternative zu den Maßnahmen gibt es nicht." Der Streik sei vorerst "nur" angedroht, so Schweighofer.

Mladenka Saric, Betriebsrätin von "Vecernji list", betonte, man wisse noch nicht, ob die Zeitung trotz des Streiks erscheinen werde - aber falls sie gedruckt werden sollte, werde man die Öffentlichkeit darüber informieren, dass dies gegen den Willen der Angestellten geschehe. Die Chefredaktion lasse widerrechtlich Mitarbeiter befragen, ob sie sich an dem geplanten Streik beteiligen werden, kritisierte die Gewerkschaft.

Solidarität

Die Gewerkschaft rief alle Beschäftigten der Medienbranche auf, sich aus Solidarität an dem Streik zu beteiligen, denn "Vecernji list" sei nur der Beginn und die Lage könnte auch in den anderen Medien eskalieren. Die Vorgänge bei "Vecernji list" würden die Lage der Medien in Kroatien abbilden, wo es freie Medien und unfreie Journalisten gebe, sagte SNH-Präsidentin Gabrijela Galic.

Alle größeren Redaktionen würden versuchen, den Kollektivvertrag zu umgehen, sagte Galic. Bei "Vecernji list" bediene man sich der "praktischen" Vorgangsweise, Mitarbeiter in neue Unternehmen auszulagern, um die Bestimmungen des Journalisten-Kollektivvertrages zu umgehen. Die Auflage von "Vecernji list" ("Abendblatt") sei in den vergangenen acht Jahren, seit die österreichische Styria das Blatt übernommen habe, von 160.000 auf 80.000 gefallen, berichtete Betriebsrätin Mladenka Saric. Das sei jedoch nicht die Folge schlechter Arbeit der Redakteure, sondern schlechter Projekte und unternehmerischer Entscheidungen, so die Betriebsrätin. 

Styria bestreitet Auflagenrückgang

Diese Darstellung weist Klaus Schweighofer von der Styria zurück. Die Druckauflage betrug im Vorjahr 125.000 Stück und liege heuer bis dato bei rund 118.000 Stück, betont Schweighofer. Die Zahlen, die vom Betriebsrat kommuniziert würden, seien falsch, so der Styria-Vorstand. Der Rückgang bei "Vecernji list" stehe auch in Zusammenhang mit dem erfolgreichen Markteintritt von "24sata". Die Zeitung gehört ebenfalls zur Styria Media Group und lag laut Schweighofer im Vorjahr bei einer Druckauflage von 310.000 Stück.

Zur Anschuldigung des Betriebsrates, die Styria würde in Kroatien den Kollektivvertrag umgehen, indem sie Mitarbeiter in neue Unternehmen auslagert, meint Schweighofer: Es gibt, anders als in Österreich, in Kroatien keinen Kollektivvertrag für die Branche. "Vecernji list" habe allerdings individuelle Betriebsvereinbarungen.

Gewerkschaft befürchtet massiven Abbau

"Vecernji list" habe schon seit Jahren Probleme, aber die Kündigung dreier Fotografen und zweier Marketing-Mitarbeiter habe das Fass zum Überlaufen gebracht, sagte der Gewerkschafter Anton Filic. Er befürchtet, dass die Hälfte der Redakteure ihre Jobs verlieren könnten. Laut Schweighofer ist "klar, dass wir uns um die betroffenen Mitarbeiter kümmern werden, entsprechende Programme wurden von der Personalentwicklungsabteilung in 'Vecernji list' ausgearbeitet." (APA)

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