Die Revolutionsgarden

18. Oktober 2009, 11:36
1 Posting

"Armee der Wächter der Islamischen Revolution"

Teheran/Hamburg - Die iranische Verfassung sieht zum Schutz des schiitischen Gottesstaates gegen Feinde von außen und innen schlagkräftige paramilitärische Einheiten vor. Die Revolutionsgarde "Armee der Wächter der Islamischen Revolution" gilt als verlässliche Stütze des Mullah-Regimes. Diese "Pasdaran" bilden als loyale Truppen des geistlichen Oberhauptes Ayatollah Ali Khamenei neben der regulären Armee "Artesh" die zweite Säule der iranischen Streitkräfte.

Die Pasdaran wurden am 5. Mai 1979 vom Gründer der Islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Khomeini, aufgestellt. Nachdem die reguläre Armee während der Islamischen Revolution keine Position bezogen hatte, schuf Khomeini aus verschiedenen paramilitärischen Einheiten ein militärisches Gegengewicht, das das neue Regime gegen verbliebene Anhänger des Schahs verteidigen sollte.

Kampf gegen Gegner im Inneren

In den 80er Jahren kämpften die Garden auch im Krieg gegen den Irak und im Libanon. In den vergangenen Jahren wurden sie primär im Kampf gegen Gegner im Inneren eingesetzt. Zunehmend gewannen sie an politischen Einfluss. Unter Präsident Mahmoud Ahmadinejad, der selbst der Truppe angehörte, wurden mehrere ehemalige Pasdaran-Kommandanten zu Ministern oder Provinzgouverneuren. Die Pasdaran verfügen ferner über eine eigene Universität und kontrollieren große Teile des iranischen Rüstungsprogramms. Auch im Bausektor und in der Ölbranche sind sie über eigene Unternehmen aktiv.

Ein gemeinsamer Generalstab koordiniert die Einsätze der mehr als 125.000 Revolutionsgardisten und der schätzungsweise 520.000 Mann des offiziellen Militärs. Die sonst von der Militärführung unabhängigen Paramilitärs haben moderne Waffensysteme und unterhalten eigene Heeres- und Marineeinheiten sowie eine Luftwaffe und einen Geheimdienst. Die Garde soll auch für das gesamte iranische Raketenarsenal verantwortlich sein, darunter die Langstreckenraketen vom Typ Shahab-3.

Khamenei bestimmte im Jahr 2007 General Mohammad Ali Jaafari zum Oberbefehlshaber der Revolutionsgarde. Jaafari soll 1980 zu den Studenten gehört haben, die die US-Botschaft in Teheran besetzten und das Personal als Geiseln nahmen. Im Zuge des Konflikts um das iranische Atomprogramm verhängten die USA Sanktionen gegen die Garde, die im vorigen August schließlich von Washington als terroristische Organisation eingestuft wurde.

Volksmiliz

Die Revolutionswächter können auf eine Art Volksmiliz zurückgreifen, die Bassij, mit mehreren Millionen Freiwilligen, die auch heuer bei den Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl Ahmadinejads zum Einsatz kamen. In Betrieben, Schulen und bei Straßenkontrollen prüfen die Bassij-Milizen, ob die strengen Regeln der Islamischen Republik befolgt werden, zum Beispiel ob Frauen die Bekleidungsvorschriften einhalten. Während des Karikaturen-Streits im Jahr 2006 griffen Bassij-Gruppen mit Steinen und Brandsätzen diplomatische Auslandsvertretungen in Teheran an.

Teil der Pasdaran sind auch die Al-Quds-("Jerusalem"-)Brigaden, eine Eliteeinheit, die vor allem im Ausland operiert. Die Existenz dieser Truppe wurde vom Iran nie bestätigt. Die USA beschuldigen die Sondereinheit, sie unterstütze schiitische Aufständische im Irak, die Taliban in Afghanistan und die Palästinenser-Organisationen Hamas sowie den Islamischen Jihad im Kampf gegen Israel. (APA)

Share if you care.