Kreditfinanziertes Studium für Hahn "nicht uncharmant"

16. Oktober 2009, 14:52
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Wissenschaftsminister will mit angedachtem Paradigmenwechsel SPÖ bei Studiengebühren "ins Boot holen"

Umea - Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) sieht die in einem Gespräch mit der "Kleinen Zeitung" (Freitag-Ausgabe) ins Spiel gebrachte Möglichkeit eines kreditfinanzierten Studiums in Österreich einen Versuch, bei der von ihm geforderten Wiedereinführung der Studiengebühren die SPÖ "ins Boot zu holen". Hahn sagte am Freitag am Rande des Treffens der EU-Forschungsminister im schwedischen Umea, neben einer "linearen" Weiterentwicklung des Stipendiensystems sei ein kreditfinanziertes System wie etwa in Schweden ein "nicht uncharmanter Gedanke".

Hahn betonte dabei erneut den erhöhten Finanzbedarf der österreichischen Universitäten. Unter Hinweis auf Studiengebühren in den Nachbarländern und teilweisen Diskussionen über deren Erhöhung sagte der Minister, er sei in Österreich auf der Suche nach einer Entwicklung "im Einklang mit der europäischen Normalität". "Wir müssen uns in die europäische Familie zurücktakten", meinte Hahn. Gleichzeitig ortete er "leises bis heftiges Kopfschütteln" unter seinen Kollegen über die "exorbitanten hausgemachten Probleme" Österreichs im Zusammenhang mit dem jüngsten Anstieg der Studierenden.

Bei solchen Kreditmodellen gibt es üblicherweise begünstigte Darlehen für Studenten, die von Absolventen ab Beginn der Erwerbstätigkeit zurückbezahlt werden müssen. Solche Modelle gibt es etwa in Schweden oder Australien. 

Darlehen hilft nur mittleren und oberen Schichten

Als "typische kurzsichtige Reaktion der Regierung" hat die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) den Appell von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) an die Unis kritisiert, vom "Notfallparagraphen" zur Wiedereinführung der von deutschen Studenten überlaufenen Studien Gebrauch zu machen. ÖH-Vizechef Thomas Wallerberger von der FH-Studentenfraktion FEST forderte stattdessen eine ausreichende Hochschulfinanzierung, "sonst wird jeder Versuch der Verbesserung von Studienbedingungen zur Farce".

Es sei absehbar gewesen, dass durch die Abschaffung der Studiengebühren die Zahl der Studenten steigen würde, so die ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer. Die Regierung habe allerdings verabsäumt, rechtzeitig mehr Geld zur Verfügung zu stellen.

Für Hahns Idee eines Staatskredits für Studenten kann sich die ÖH ebenfalls nicht erwärmen, diese würden laut Studien staatliche Darlehen nur für Studenten aus den mittleren und oberen Schichten eine Option darstellen.

Auch das BZÖ hat sich gegen Zugangsbeschränkungen ausgesprochen, da diese nur die Zahl der Studenten verringern, so BZÖ-Bildungsreferent Uwe Scheuch. Er forderte erneut die Wiedereinführung von Studiengebühren und die Schaffung eines Bildungsschecks. Dabei sollen die Studiengebühren auf 5.000 Euro pro Semester angehoben werden, wobei jeder österreichische Maturant per Check 4.620 Euro refundiert bekommt und damit 380 Euro (bisher: 363 Euro) bezahlt. Gleichzeitig würden die Beiträge von deutschen Numerus-Clausus-Flüchtlingen rund 90 Mio. Euro einbringen bzw. diese vom Studium in Österreich abbringen. Beim Staatskredit für Studenten warf das BZÖ Hahn vor, eine Vorschlag der Orangen aus dem Jahr 2007 zu kopieren. (APA)

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