Prozess gegen AWD beginnt nächste Woche

16. Oktober 2009, 13:07
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Konsumentenschützer mit zehn Ex-Beratern als Zeugen

Wien - In der Causa um die Vermittlung von Immofinanz-Aktien durch den angeschlagenen Finanzdienstleister AWD ist nächste Woche Prozessauftakt. Am Donnerstag wird am Handelsgericht Wien die erste Teil-Sammelklage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) verhandelt. Die Verbraucherschützer wollen den Vorwurf der "systematischen Fehlberatung" mit Zeugenaussagen von zehn Ex-AWD-Beratern untermauern, teilte der VKI am Freitag mit. Der AWD wies diesen Vorwurf erneut "entschieden" zurück. Unterdessen muss sich heute ein AWD-Mann vor Gericht verantworten, der die Unterschrift eines Kunden gefälscht und diesem dann 15.000 Euro angeboten haben soll, um nicht aufzufliegen, berichtet "News".

Für den VKI ist der erste Gerichtstermin am 22. Oktober "Hopp oder Dropp", sagte VKI-Chefjurist Peter Kolba zur APA. Der Verein will, dass die Causa als Sammelklage abgewickelt wird. Eine solche sei nicht nur ein "Gebot der Prozessökonomie", sondern dämpfe auch die Kosten. Bei der ersten Sammelklage für 125 Personen seien allein für die Klagsschrift Kosten von rund 30.000 Euro angelaufen. Einzelklagen wären auf 150.000 Euro gekommen, rechnete der VKI in einer Aussendung vor.

Der AWD hatte in der Vergangenheit die Form der Sammelklage für unzulässig erklärt und will die Fälle einzeln abhandeln. Man sei gesprächsbereit gewesen, jedoch habe der VKI eine gemeinsame Prüfung der Anlegerbeschwerden über Kursverluste abgelehnt, so der Finanzdienstleister in einer Mitteilung. Der VKI erklärt sich die Ablehnung der Sammelklage folgendermaßen: "Da Einzelklagen nicht finanzierbar sind, käme er AWD um eine gerichtliche Prüfung der Vorwürfe der systematischen Fehlberatung und um Schadenersatz in der Masse der Beschwerde herum." Der Finanzdienstleister habe sich in die Verjährung der Forderungen retten wollen, so der VKI.

"Fülle" an Beweisen

Außerdem könne nur mit einer Sammelklage sichergestellt werden, dass die "Fülle" an Beweisen, die den Vorwurf der "systematischen Fehlberatung" stützen sollen, zentral von einem Richter aufgenommen, von einem Sachverständigen überprüft und in einem "konsistenten Urteil" bewertet werden. Die zehn ehemaligen AWD-Berater und ein Ex-Mitarbeiter, die der VKI als Zeugen vorbringen will, "wird man doch nicht im Ernst 2.500 mal aussagen lassen wollen", so der VKI. AWD dazu: Bei der Verhandlung werde der VKI "nicht darum herumkommen, die Vorwürfe jedes einzelnen Klägers wie von der österreichischen Zivilprozessordnung vorgesehen, einzeln zu argumentieren."

Wie berichtet haben der VKI-Sammelklage 2.500 Anleger mit einem Gesamtschaden von rund 30 Mio. Euro angeschlossen. Die erste Teilklage (125 Personen, Schaden rund zwei Mio. Euro) hat Rechtsanwalt Alexander Klauser namens des VKI am 30. Juni 2009 eingebracht. Ende September folgte die zweite Tranche für 145 mutmaßlich Geschädigte und einem Schaden von zwei Mio. Euro.

In einem anderen Fall muss sich heute ein einzelner AWD-Berater vor Gericht verantworten. Laut "News" (aktuelle Ausgabe) brachte ein Kunde wegen Fehlberatung Klage ein und soll im Verfahren entdeckt haben, dass der Berater seine Unterschrift im Anlegerprofil gefälscht hat. Derselbe Berater habe dann 15.000 Euro geboten, um nicht aufzufliegen. Der der Causa folgen weitere Prozesse, so das Magazin. Ein anderer AWD-Mitarbeiter habe die Unterschrift einer Oberösterreicherin nachgeahmt, auch deren Bekannte sei der Unterschriftenfälschung zum Opfer gefallen. Ein AWD-Berater soll in 500 Fällen selbst Hand angelegt haben.

AWD zufolge handelt es sich bei dem Berater, dem heute der Prozess gemacht wird, um einen "Einzelfall". Der Mann habe das Gesprächsprotokoll im Nachhinein angefertigt und die Kunden-Unterschrift gefälscht. Inhaltlich hätten die Protokolle der "Wahrheit" entsprochen, hieß es bei AWD auf APA-Anfrage. Der Berater habe dann im heurigen Frühjahr bei der Staatsanwaltschaft in Salzburg Selbstanzeige erstattet. Etwa zur selben Zeit habe sich der Kunde auch über die Kursverluste beschwert. Die 15.000 Euro habe der Berater dem Kunden als "Kompensationszahlung" für die krisenbedingten Kursverluste angeboten. Der Angeklagte sei nach wie vor als AWD-Berater tätig, er habe sich "nie etwas zu Schulden kommen lassen". Von anderen Fällen der Unterschriftenfälschung ist dem AWD laut Eigenangaben nichts bekannt. (APA)

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