Lebendige Auseinandersetzung mit der Geschichte

14. Oktober 2009, 09:47
1 Posting

Widerstand und Propaganda in der Nazi-Diktatur: Fred Schneider prämierte die besten Fachbereichsarbeiten

Wien - "Steinzeit und so ist nicht so spannend. Das war im Unterricht etwas, wo ich nicht enthusiastisch dabei war. Die nähere Vergangenheit finde ich sehr wichtig, weil sie sich gewissermaßen heute widerspiegelt", erklärt Patrick Lang, warum er sich in seiner Fachbereichsarbeit mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt hat.

Im Festsaal des Stadtschulrats fand letzten Freitag die Prämierung der besten Fachbereichsarbeiten zum Thema "Lessons to be learned from history" statt. Bereits zum zehnten Mal verlieh Fred Schneider diesen Preis, "um einen Beitrag zu leisten, dass sich solche Ereignisse, die ich erlebt habe, nie wiederholen". Aufgrund seines jüdischen Ursprungs musste Schneider vor der NS-Diktatur aus Wien in die USA fliehen.

Durch diese Prämierung, die laut Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl "zu einer Institution geworden ist", soll das Interesse der Jugendlichen für Geschichte und Politik angeregt werden. "Durch den Fred Schneider Award wird Jugendlichen außerdem die Würdigung ihrer Leistungen zuteil, denen ein Schulsystem mit Noten nie gerecht werden kann", so Brandsteidl. Die Bandbreite der Themen ist breit und nicht nur auf den Holocaust beschränkt. Auch über Toleranz an sich oder Randgruppen konnte gearbeitet werden.

Frauen übten Aktivismus

Diana Altmann wurde heuer mit ihrer Arbeit Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Österreich der erste Platz verliehen. "Ich habe es telefonisch erfahren, und ich bin ausgeflippt. Auf das habe ich gar nicht hingearbeitet", freut sich die 18-Jährige.

Diana begann sich nach dem Tod ihrer Großmutter näher mit deren Vergangenheit zu befassen. Sie erfuhr von ihrem Aktivismus und Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Im Zuge ihrer Recherchen stieß sie auf eine Zellengenossin ihrer Großmutter, Frau Marta. Diese verhalf ihr zu einem Einblick in die grauenvolle NS-Zeit. "Das Privileg, mit einer Zeitzeugin zu sprechen, hat nicht jeder. Die beiden haben sich im Unglück kennengelernt und haben ihren Humor zum Glück nie verloren. Mit Frau Martha zu sprechen war für mich eine einzigartige Erfahrung. Ich bin sehr froh, sie kennengelernt zu haben."

Die Fachbereichsarbeit Propaganda in der Zeit des Nationalsozialismus von Patrick Lang landete auf dem zweiten Platz. Langs Neugier konnte durch den Unterricht nicht gestillt werden. Er wollte "tiefer in die Materie eintauchen" und die "Systematik und den Perfektionismus" hinter der Propaganda aufzeigen.

Für Brandsteidl bedeutet dieser Award sehr viel. "Ich finde es hervorragend, dass ein Mensch, der flüchten musste und jeden Grund hätte zu sagen: ,Ich will mit dieser Stadt nichts mehr zu tun haben', sich zu dieser Stadt bekennt und etwas tut, um Jugendlichen zu zeigen, was es bedeuten kann, wenn man ausländerfeindliche Parteien wählt."

Auch Diana hat einen Appell an die Jugend parat: "Ich will, dass die Menschen so viel Vertrauen zu sich selbst haben, eigenständig zu denken und nicht nachzuplappern, wenn politische Parteien Sündenböcke präsentieren." (Nermin Ismail, DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2009)

 

Share if you care.