Frank Vandenbroucke mit 34 verstorben

13. Oktober 2009, 22:01
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"VdB" wurde in einem Hotel im Senegal aufgefunden, Belgiens tragischer Held soll einer Lungenembolie erlegen sein - Für die kommende Saison hatte er Träume

Brüssel - Der internationale Profi-Radsport trauert um Frank Vandenbroucke. Das einstige Supertalent, das seit Jahren nur noch durch Doping- und Alkoholaffären sowie private Probleme für Schlagzeilen gesorgt hatte, wurde am Montagabend im Alter von 34 Jahren in einem Hotelzimmer im Badeort Saly im Senegal tot aufgefunden. Der Belgier soll einer Lungenembolie erlegen sein. Vandenbroucke hinterlässt zwei Töchter.

Fünfeinhalb Jahre nach dem frühen Tod von Italiens Idol Marco Pantani, der an einer Überdosis Kokain gestorben war, hat die internationale Radszene erneut einen großen Fahrer verloren. "Eine Tragödie a la Pantani", schrieb die italienische Zeitung "Gazzetta dello Sport" nach Bekanntwerden der Nachricht. "Das Enfant terrible ist nicht mehr", titelte die belgische Tageszeitung "Le Soir" über den "James Dean seiner Generation" und Belgiens größte Hoffnung seit Eddy Merckx.

"Etwas Schönes machen"

Sein ehemaliger Trainer José De Cauwer spricht aus, was das ganze Land fühlt: "Er ist mit 34 gestorben. Das ist viel zu jung. Frank hat das nicht verdient." Dabei schien es mit Vandenbroucke zuletzt wieder bergauf zu gehen. Er wirkte stabiler, fuhr kleine Rennen für die italienische Mannschaft Cinelli und wollte seine Karriere in der nächsten Saison fortsetzen.

"Ich bin zufrieden", wurde er im belgischen "De Standaard" zitiert. "Ich verstehe, dass die Teams mir nicht gleich eine Chance geben. Ich trage eine Vergangenheit mit mir. Aber ich glaube, ich habe heuer bewiesen, dass ich noch für den Radsport leben kann. Ich möchte aus der kommenden Saison etwas Schönes machen. Ich möchte wieder die großen Rennen fahren, so wie die Flandernrundfahrt. Nicht um zu gewinnen, sondern um zu sehen, wie weit meine Möglichkeiten noch reichen."

Vandenbrouckes Mutter Chantal Vanruymbeke hatte noch nach seiner Ankunft an seinem Urlaubsort mit ihrem Sohn gesprochen. "Er war ganz fröhlich. Er logierte im schönsten Hotel des Senegal. Ich schwebte wie auf Wolken, dass wir nach zehn harten Jahren unseren Sohn zurückgewonnen hatten. Und nun kommt das. Ich bin erschüttert", sagte sie der Zeitung "Het Nieuwsblad" nach der Todesnachricht, die sie bereits am Montagabend erhalten hatte. Eine Obduktion werde durchgeführt, kündigte sie an. Vandenbrouckes Onkel Jean-Luc erklärte, sein Neffe habe Hochs und Tiefs gehabt. "Automatisch denkt man an Pantani", meinte der Ex-Profi.

Laut Informationen eines Angestellten gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP hat sich Vandenbroucke in Begleitung einer Frau befunden. Er sei gegen zwei Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag im Hotel eingetroffen. "Als er gekommen ist, war er betrunken. Er kam mit einer Senegalesin", erklärte die anonym bleibende Person. "Gegen vier Uhr ist seine Begleitung erschienen, um ein Putzlappen zu verlangen, denn er hatte sich übergeben."

Der in Belgien als "VdB" bekannte Vandenbroucke siegte 1996 als aufstrebender Jungstar bei der Österreich-Tour, gewann 1998 die Fernfahrt Paris-Nizza und feierte ein Jahr später als größten Erfolg den Sieg beim Frühjahrs-Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich. Im Spätsommer folgten zwei Etappensiege bei der Spanien-Rundfahrt. An diese Triumphe konnte er nie wieder anknüpfen. Noch 1999 suspendierte ihn das Cofidis-Team im Zuge der Doping-Affäre um den "Dr. Mabuse" genannten Arzt Bernard Sainz. 2002 durchsuchte die belgische Polizei sein Haus auf der Suche nach verbotenen Mitteln und fand EPO, Morphium und das muskelbildende Präparat Clenbuterol. 2007 sprach ihn ein Gericht in zweiter Instanz aber frei.

Depressionen

Vandenbroucke war ein sogenannter schwieriger Charakter. Er hatte Eheprobleme, litt unter Depressionen und hatte vor zwei Jahren versucht, sich mit einer Überdosis Medikamenten das Leben zu nehmen, da sich seine Frau von ihm trennen wollte. "Nach seinem Selbstmordversuch haben die Leute gesagt: 'Er wird wie Pantani enden.' Aber in letzter Zeit schien es ihm besser zu gehen", meinte Alain Deloeil, sein ehemaliger Sportdirektor bei Cofidis, am Dienstag. Nachdem mehrere Comeback-Versuche gescheitert waren, war Vandenbroucke seit diesem Sommer ohne Vertrag, wollte aber für 2010 eine neue Mannschaft suchen. Vandenbroucke sei enttäuscht gewesen, dass dies bisher nicht geglückt sei, erklärte Patrick Lefevere, der Manager des Quick Step-Teams.

In Belgien wurde Vandenbrouckes Tod mit großer Bestürzung aufgenommen. "Ich kann es noch immer nicht glauben. Ich habe kürzlich mit ihm gesprochen, da sagte er, er sei frisch und munter", erklärte der einstige Radprofi Lucien van Impe, der Vandenbroucke zwischenzeitlich als Sportlicher Leiter betreut hatte. "Er war ein sehr harter Brocken, aber mit einem enormen Talent. Ich kann jetzt keinen Fahrer mehr nennen, der die selben Qualitäten wie VdB hat. Er hätte viel mehr Siege feiern müssen, so viel ist sicher" erklärte van Impe. Vandenbroucke gewann in seiner Karriere mehr als 50 Rennen.

Vandenbrouckes Manager und Freund Paul De Geyter konnte den Tod seines Schützlings nicht fassen: "Ich glaube das nich. Ich warte darauf, dass er mich jeden Moment wieder anruft. Ich warte auf seinen Anruf." (red/APA/AFP/sda)

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    1999: Frank Vandenbroucke bei der Vuelta auf dem Weg zum Tagessieg.

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    2008: Vandenbroucke bei der Präsentation seines Buches: "Ich bin nicht Gott".

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